Warmes Wasser durch Luft ‚Äď ein Erfahrungsbericht

von Torsten Barthel am 25. Juni 2012 09:46 in Energie
Händewaschen-mit-Warmwasser

Foto: www.istockphoto.com

Zugegeben, die Überschrift stimmt nicht ganz, denn Strom und eine Wärmepumpe braucht es auch, um Wasser durch Luft zu erwärmen. Warmes Wasser ist in der heutigen Zeit Standard in deutschen Haushalten. Es gibt viele Möglichkeiten, das kalte Nass zu erwärmen. Eine davon ist die Wärmepumpe. Diese Methode klingt modern und umweltfreundlich. Doch spart man wirklich Energie und Kosten?

Meine f√ľnfj√§hrige Erfahrung mit einer Luft-Wasser-W√§rmepumpe, auch bekannt als Warmwasser-, Brauchwasser- oder Trinkwasser-W√§rmepumpe, ergibt ein durchwachsenes Bild. Die wichtigste Information am Anfang: Lassen Sie sich vom Fachmann mit Erfahrung auf diesem Gebiet beraten, denn eine Luft-Wasser-W√§rmepumpe passt nicht √ľberall.

Wärmepumpe zur Warmwasserbereitung ersetzt Wärmespeicheranlage

Unser Wohnhaus ist Baujahr 1926. Wir heizen es seit √ľber 15 Jahren mit einer W√§rmespeicheranlage. Nachts von 22 bis 6 Uhr erw√§rmt sie W√§rmespeicher in den Wohnr√§umen. Tags√ľber geben die Speicher diese W√§rme an die R√§ume ab. Bis 2007 haben wir das Wasser in einem 300-Liter-Warmwasserspeicher erw√§rmt. Dann bauten wir, eine vierk√∂pfige Familie, unser Haus um und ein neues Bad ein. Um den Stromverbrauch zu senken, die Leitungswege zu verk√ľrzen und etwas f√ľr die Umwelt zu tun, hatten Bekannte empfohlen, eine Warmwasser-W√§rmepumpe zu installieren.

Funktionsschema-W√§rmepumpeDieses Ger√§t nutzt die Umgebungsluft, um das Wasser in einem Speicher zu erw√§rmen. Das Prinzip ist relativ simpel ‚Äď vergleichbar mit dem beim K√ľhlschrank, nur andersherum. Der Luft wird die W√§rme durch den W√§rmepumpenkreislauf entzogen und dem Wasser √ľber ein Tr√§germittel zugef√ľhrt.

Im Vorfeld hatte ich zwei Fachleute gefragt und zwei gegens√§tzliche Meinungen bekommen. Also blieb die Entscheidung uns √ľberlassen. Der Familienrat tagte – Ergebnis: ‚ÄěPapa muss entscheiden‚Äú. Da ich von der Technik begeistert war und mir neben der Warmwassererzeugung eine gute Durchl√ľftung meines Kellers versprach, erhielt dieses Ger√§t den Zuschlag. Daf√ľr sprach auch, dass das Wasser nicht nur nachts – wie bisher bei der W√§rmespeicheranlage – erw√§rmt w√ľrde.

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Unsere Wärmepumpe zur Warmwasserbereitung

Energie und Wasser sparend, aber leider ohne Kostenvorteil

Nun steht seit f√ľnf Jahren eine Brauchwasser-W√§rmepumpe bei uns im Keller. Das Ger√§t l√§uft sehr zuverl√§ssig. Wir haben fast immer ausreichend warmes Wasser. Fast immer? Richtig, denn wenn wir mal mehr als zwei Badewannen volllaufen lassen, ist der Warmwasservorrat aufgebraucht. Dann dauert es bis zu zehn Stunden, ehe wieder Warmwasser in ausreichender Menge vorhanden ist.

Diese Schw√§che von Warmwasserspeichern kannten wir schon von unserer Nachtspeicheranlage. Es war also keine gro√üe Umstellung. Im Nachhinein erweist sich die vermeintliche Schw√§che sogar eher als Vorteil. Denn durch die begrenzte Wassermenge duschen wir mehr statt zu baden. Daf√ľr reicht der Warmwasservorrat immer. Unser Energieverbrauch hat sich verringert. Nur die Kostenersparnis kam nicht wie gedacht, da wir den – im Vergleich zum Nachtstrom – teureren Tagstrom f√ľr die Warmwasserbereitung nutzen. Denn das Wasser wird dann erw√§rmt, wenn wir es brauchen – also haupts√§chlich tags√ľber.

Zudem kann die W√§rmepumpe nicht das ganze Jahr laufen, weil unser Keller in der kalten Jahreszeit unter acht Grad Celsius abk√ľhlt. Dies ist im Nachhinein der wichtigste Punkt, der bei der Planung zu ber√ľcksichtigen ist. Es muss sicher gestellt sein, dass die Lufttemperatur nicht unter diesen Wert sinkt – auch bei vollem Betrieb und dem damit verbundenen hohen Luftumsatz. Sonst drohen die Vereisung der Anlage und ein daraus resultierender Defekt. Wird es also – wie in unserem Fall – in der Umgebung zu kalt, schaltet die W√§rmepumpe auf einen 500 Watt Heizstab um, und das Wasser wird nur mit Strom erhitzt. Das widerum wirkt sich ung√ľnstig auf die Haushaltskasse aus.

Das A und O: Gr√ľndliche Beratung durch einen Fachmann

Wie Sie sehen, gibt es eine Menge zu beachten. Deshalb ist es wichtig, sich vom Fachmann beraten zu lassen, am besten von einem ENSO-Energiepartner oder dem Installateur Ihres Vertrauens. Die sind aus der Region und kennen die örtlichen Gegebenheiten.

Mein pers√∂nliches Fazit nach f√ľnf Jahren Brauchwasser-W√§rmepumpe: Da ich die Rahmenbedingungen nicht richtig beachtet habe, spare ich Energie, aber keine Kosten. Eine gute fachm√§nnische Beratung von Installateuren mit Erfahrung in der Anlagentechnik und den erforderlichen Rahmenbedingungen sind das A und O f√ľr den erfolgreichen Betrieb einer Warmwasser-W√§rmepumpe.

Wenn Sie sich vorinformieren m√∂chten, schauen Sie beispielsweise auf den Internetseiten der Initiative energiesparen-im-haushalt.de. Dort bekommen Sie einen guten √úberblick √ľber das System mit seinen Vor- und Nachteilen.

Nun interessiert es mich nat√ľrlich, welche Technik Sie einsetzen, um Ihr Wasser zu erw√§rmen! Und wie zufrieden sind Sie damit?

Veröffentlicht von Torsten Barthel am 25. Juni 2012 09:46 in Energie

Kommentare

  • Von Klaus Winterling

    Naja, wir haben f√ľr unser Haus eine Hauptheizung mit Gas. (Fr√ľher √ĖL)
    Die schalten wir dann etwa so ab Mai ab, und im Oktober wieder an. Sie ist also so etwa 4-5 Monate abgeschaltet.
    F√ľr das Warmwasser - im Sommer -haben wir eine Luft-Wasser W√§rmepumpe. Schon seit etwa 25-30 Jahren. Heute hat sie ihren Geist aufgegeben. Warum wei√ü ich noch nicht.
    Die hatten wir damals auf den Dachboden installiert, weil es dort im Sommer am wärmsten ist.
    Bei einem 4, später 3 Personen-Haushalt haben wir im Durchschnitt pro Saison etwa 500 - 650 kw/h Strom verbraucht. (Duschen, Baden, Warmwasser). Bei der Wärmepumpe hatte ich einen extra Stromzähler dazwischen geschaltet, um genaue Werte zu bekommen.
    Leider habe ich jetzt keine Ahnung, wieviel mehr Gas (√Ėl) wir gebraucht h√§tten, wenn die "normale" Gasheizung (ohne W√§rmepumpe) auch den Sommer √ľber gelaufen w√§re.
    Ich weiß wirklich noch nicht, ob wir wieder eine neue Wärmepumpe am Dachboden installieren sollen. Hält sie auch wieder 25 Jahre ohne Reparatur???
    Neue Anschl√ľsse, Installation, alte Pumpe entsorgen, neue Pumpe wieder auf den Dachboden wuchten?
    Mal sehen...... Antworten

    • Von Torsten Barthel

      Hallo Herr Winterling, vielen Dank f√ľr Ihren Kommentar. 25-30 Jahre Betrieb der Anlage - das klingt nach viel Erfahrung mit dieser Technologie. Zu Ihren Fragen: Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, wenn die Anlage das ganze Jahr im W√§rmepumpen-Betrieb l√§uft. Daf√ľr m√ľssen aber die Rahmenbedingungen (ausreichend warme Luft usw.) passen.

      Ich vermute mal, dass Sie einen geringeren Aufwand haben, wenn Sie Ihr bestehendes Heizsystem modernisieren (Erdgasbrennwert-Technik) oder sich eine Solarthermie-Anlage installieren statt einer Warmwasser-, Brauchwasser- oder Trinkwasser-Wärmepumpe.

      Vielleicht kann Ihnen einer unserer Partner (www.enso.de/energiepartnersuche) noch n√ľtzliche Tipps geben.

      Sch√∂ne Gr√ľ√üe

  • Von Nicole Simdorn

    Hallo Herr Barthel,

    darf ich mal fragen, wie groß Ihre Warmwasserspeicher sind?

    Viele Gr√ľ√üe Antworten

    • Von Torsten Barthel

      Hallo Frau Simdorn,

      an der Brauchwasser-Wärmepumpe ist direkt ein 300L-Schichtenspeicher angeschlossen.

      Sch√∂ne Gr√ľ√üe

  • Von gauner

    suche soetwas Antworten

    • Von Torsten Barthel

      Hallo "gauner",

      vielen Dank f√ľr Ihren Kommentar. Meine Anlage habe ich √ľber meinen Heizungsinstallateur bekommen. Es war ein Messest√ľck und damit etwas preiswerter. Schauen Sie mal unter dem Begriff "Brauchwasser W√§rmepumpe" bei ebay oder anderen Verkaufsportalen rein. Ich habe auf Anhieb 31 Angebote gefunden und eins ist sogar so ein System wie ich habe.

      Viele Gr√ľ√üe