Wasserkraftwerk Seifersdorf: Energie aus zwei Quellen

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Wasserkraftwerk Seifersdorf mit Photovoltaikanlage

Mit seinen fassadenintegrierten Solarmodulen erzeugt das Wasserkraftwerk Seifersdorf auch umweltfreundlichen Sonnenstrom.

Das zweite Wasserkraftwerk (WKW), das ich Ihnen im Rahmen unserer kurzen Blog-Serie vorstelle, ist das WKW Seifersdorf. Es ist die kleinste und jüngste unserer sechs Anlagen, die wir entlang der Roten und Wilden Weißeritz betreiben.

Das WKW Seifersdorf nahm 1911 den Betrieb auf. Damals erzeugte es Strom durch eine Kraftanlage mit Mühlradantrieb. 20 Jahre später wurde der Gleichstromgenerator durch einen Drehstromgenerator ausgetauscht. Drehstromgeneratoren zeichnen sich durch eine höhere Effizienz, geringeren Materialbedarf und damit auch geringeren Verschleiß aus.

Das Hochwasser 2002 zerstörte das historische WKW komplett. 2004 haben wir es am gleichen Standort neu errichtetet und die Stromerzeugung wieder aufgenommen.

Rund 260.000 Kilowattstunden Strom erzeugt die neue Anlage jedes Jahr. Das ist genug, um circa 104 Drei-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Zuleitung des Wassers von der Talsperre Malter zum Kraftwerk Seifersdorf erfolgt über einen 800 Meter langen Obergraben. Ein Rechen verhindert, dass Schwemmgut in die Anlage gelangt. Das durchströmende Wasser treibt eine Kaplanturbine im Inneren des WKWs an. Sie ist aufgrund der geringen Fallhöhe des Wassers von 6,8 Metern besonders gut für die Stromerzeugung geeignet und hat eine Leistung von 62 Kilowatt.

Ein Generator wandelt die mechanische Energie in elektrische Energie um. Nachdem das Wasser das Kraftwerk durchflossen hat, gelangt es durch einen 400 Meter langen überdeckten Untergraben wieder zurück in die Rote Weißeritz.

Funktionsprinzip des Wasserkraftwerks Seifersdorf

Funktionsprinzip des Wasserkraftwerks Seifersdorf.

Sowohl der Ober- als auch der Untergraben wurden beim Hochwasser 2013 erheblich beschädigt. Die großen Wassermengen, die aus der Talsperre Malter abgeflossen sind, hinterspülten Stützmauern und zerstörten diese zum Teil. Dank Fördermittel der Sächsischen Aufbaubank können wir die Schäden derzeit beseitigen und das WKW weiter betreiben.

Maximal ein Kubikmeter – also 1.000 Liter – Wasser fließt pro Sekunde durch die Anlage. Das entspricht ungefähr der Menge von fünf Badewannen. Das klingt doch schon recht beeindruckend, ist aber nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ im Vergleich zum größten Laufwasserkraftwerk Deutschlands. Das Rheinkraftwerk Iffezheim in Baden-Württemberg hat einen maximalen Wasserdurchfluss von 1.500 Kubikmeter pro Sekunde bei einer installierten Leistung von 146 Megawatt.

Der Wasserdurchfluss und die Fallhöhe sind die wesentlichen Faktoren, die die elektrische Leistung des Wasserkraftwerkes beeinflussen. Je höher diese beiden Werte sind, desto höher ist auch die elektrische Leistung.

Bevor der Strom in das Netz eingespeist wird, wandelt ein Transformator die Spannung des Generators von 0,4 Kilovolt auf 10 Kilovolt des Stromnetzes. Die höhere Spannung ermöglicht eine verlustärmere Energieübertragung.

Erlebnisbereich Wasserkraftwerk Seifersdorf

Im überdachten Erlebnisbereich können Sie sich unter anderem die restaurierte Francis-Spiralturbine anschauen.

Zusätzlich zum WKW erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom. Die 21 Module haben eine maximale Leistung von 1,7 Kilowatt. Anders als bei anderen Anlage befinden sich die Photovoltaikmodule nicht auf dem Dach sondern an der Gebäudefassade. Auf einer digitalen Anzeige wird die aktuelle Leistung der Photovoltaik-Anlage dargestellt. Eine weitere Besonderheit sind die Glasscheiben zwischen den Solarmodulen, die einen Blick in das Innere des Maschinenraums ermöglichen.

Eine Holzbrücke führt zu dem etwas abgelegenen WKW und dem dazugehörigen Erlebnisbereich. Hier können Sie die rekonstruierte Francis-Schachtturbine, die beim Hochwasser 2002 zerstört wurde, besichtigen. Außerdem können Sie die Funktion von Motor und Generator nachstellen.

Nur einen Kilometer südlich des WKW Seifersdorf befindet sich die Talsperre Malter. Das Speicherwasserkraftwerk am Fuße der Talsperre und die zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten um den Speichersee werde ich Ihnen in meinem nächsten Beitrag vorstellen.

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