Wie lese ich einen Energieausweis?

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Energieausweis

Der Energieausweis enthält auch Tipps zur Modernisierung der eigenen vier Wände. Foto: Tim Reckmann/pixelio.de

Ein schönes und bezahlbares Zuhause zu finden, wird auch in unseren Breiten immer schwieriger. Gerade in Großstädten wie Dresden ist der Wohnungsmarkt ziemlich angespannt.

Trotzdem gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Neben Kaufpreis oder Miete sind die Heizkosten ein wichtiges Kriterium bei der Suche.

Anhand des Energieausweises können Interessenten verschiedene Objekte energetisch vergleichen. Wie ein solches mehrseitiges Dokument aufgebaut ist, erläutere ich Ihnen in meinem Beitrag.

Wer ein Wohngebäude neu vermieten oder verkaufen will, muss den Energieausweis unaufgefordert bei der Besichtigung vorgelegen. So schreibt es die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 vor. Das Dokument ist zehn Jahre lang gültig.

Jeder nach dem 1. Mai 2014 ausgestellte Energieausweis hat eine Registriernummer beim Deutschen Institut für Bautechnik. Seite 1 Es gibt zwei Varianten:

  • den verbrauchsorientierten Ausweis, der den Heizenergieverbrauch auswertet. Hier wird der gemessene Verbrauch aller Wohnungen des Gebäudes in den letzten drei Jahren berücksichtigt.
  • oder die bedarfsorientierte Variante, die unabhängig vom Nutzerverhalten den zu erwartenden Energiebedarf über ein ingenieurtechnisches Berechnungsverfahren ermittelt. In die Berechnung fließen unter anderem die Beschaffenheit der Gebäudehülle, die vorhandene Haustechnik oder Witterungseinflüsse ein. Diese Variante ist Pflicht für Wohngebäude bis einschließlich Baujahr 1977 mit bis zu vier Wohneinheiten. Bei allen anderen Gebäuden können die Eigentümer zwischen beiden Ausweisvarianten wählen.

ENSO bietet die verbrauchsorientierte Variante zum Preis von 75 Euro an. Etwa 14 Tage dauert es, bis der ENSO-Gebäude-ENERGIEAUSWEIS fertig ist. Wie ein solches Dokument aussieht, verdeutlicht dieses Muster:

Im ersten Kasten auf Seite 1 finden sich allgemeine Angaben zum Gebäude: Adresse, Anzahl der Wohnungen, Baujahr oder Informationen zu den Energieträgern für Heizung und Warmwasser. Energieausweise, die nach dem 1. Oktober 2009 ausgestellt wurden, enthalten auch Aussagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur Art der Lüftung/Kühlung.

Aus einem weiteren Kasten geht hervor, ob es sich um einen Bedarfs- oder Verbrauchsausweis handelt.

Seite 2 Seite 2 gibt Auskunft über den Energieverbrauch des Gebäudes. Anschaulich dargestellt ist er in Form einer Farbskala von grün bis rot. Der grüne Bereich steht für einen normalen bis optimalen Verbrauch. Durchschnittliche sowie kaum modernisierte Gebäude sind eher im gelb-roten Bereich einzuordnen.

Die Farbskala zeigt immer zwei Werte an: den Endenergieverbrauch und den Primärenergieverbrauch.

Der Endenergieverbrauch weist die jährliche Energiemenge für Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung aus. Dieser Wert ist eine Pflichtangabe in Immobilienanzeigen. In einer Tabelle sind Energieträger, Abrechnungszeiträume und der Anteil an Heizung und Warmwasser festgehalten. Auch Daten wie Wandstärke, Dämmung oder Wetterbedingungen fließen in die Berechnung ein.

Am Primärenergieverbrauch ist erkennbar, wie viel Energie aufgewendet werden muss, um eine bestimmte Menge an Wärmeenergie im Gebäude zu erzeugen. Dieser Wert ergibt sich aus der Multiplikation des Endenergiebedarfs mit Primärenergiefaktoren wie Strom (2,4; ab 1. Januar 2016: 1,8), Öl (1,1), Holz (0,2) oder Sonnenenergie (0).

Auf den Energieausweisen, die ab 1. Mai 2014 ausgestellt wurden, sind zusätzlich Energieeffizienzklassen von A+ bis H ausgewiesen. Die Klasse A+ entspricht annähernd den Werten eines Passivhauses, Klasse A dem EnEV-Niveau für Neubauten seit 2016. In die Klasse H fallen Häuser, die seit Jahrzehnten nicht saniert wurden.

Seite 3Die Seiten 3 und 4 enthalten Vorschläge für eine energetische Modernisierung der Immobilie sowie eine Zusammenfassung und Erläuterungen.

Anhand eines Verbrauchsausweis können Sie Ihre zu erwartenden Heizkosten relativ einfach berechnen. Schritt 1: Multiplizieren Sie die Wohnfläche mit dem Faktor 1,2. Diese Regelung hat der Gesetzgeber aus Gründen der Vereinfachung vorgesehen.

Sie berücksichtigt, dass ein Gebäude auch Verkehrsflächen wie Treppenhaus und Kellerräume hat, die teilweise mitbeheizt werden. Schritt 2: Den errechneten Wert multiplizieren Sie mit dem Energieverbrauchskennwert aus dem Energieausweis.

Allerdings liefert Ihnen diese Berechnung nur einen ungefähren Anhaltspunkt für die zu erwartenden Kosten.

Seite 4 Bei einem Bedarfsausweis ist diese vereinfachte Rechnung nicht möglich. Ihn erhalten Sie im Rahmen unseres Angebots Energieberatung mit Effizienzbonus. Dafür kommt ein Schornsteinfeger zu Ihnen ins Haus.

Ob verbrauchs- oder bedarfsorientierter Ausweis – beide Varianten liefern eine zuverlässige Grundlage, um den energetischen Zustand eines Gebäudes zu bewerten. Die Eigentümer sind übrigens nicht verpflichtet, den Modernisierungsempfehlungen zu folgen.

Doch bei hohem Energieverbrauch sollten Sie im eigenen Interesse über eine neue Heizung, moderne Fenster oder Wärmedämmung nachdenken.

Haben Sie Fragen zum Energieausweis? Dann schreiben Sie mir einen Kommentar oder rufen Sie meine Kollegen vom Service-Telefon unter 0800 6686868 an.

Veröffentlicht von Heiko Hauptmann am 7. März 2017 11:32 in Energie, Spartipps

Kommentare

2 Reaktionen zu “Wie lese ich einen Energieausweis?”
  • Von Sandro F

    Hat zwar nichts mit diesem Thema hier zu tun, aber was sagt die Enso denn dazu:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/energie-intelligente-stromzaehler-liefern-falsche-daten-a-1138164.html Antworten

    • Von Sylvia Redlich

      Guten Tag, Herr F.,

      vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen als Mitglied der Bloggerredaktion gern beantworte. Wir haben eine der 90 in Deutschland zugelassenen Prüfstellen für Zähler. Dort werden sowohl die konventionellen als auch die intelligenten Zähler vor dem Einsatz in unserem Netz geprüft.

      Mehr Informationen zu unserer Prüfstelle finden Sie im Blogbeitrag Prüfstelle ER10 für Stromzähler: Objektivität seit 80 Jahren meiner Kollegin Andrea Rehbein.

      Freundliche Grüße!

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