Wasserkraftwerk Klingenberg: Brunnen vor dem Tore

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Luftaufnahme des Wasserkraftwerks Klingenberg

Das WKW Klingenberg wurde 1913 hinter der gleichnamigen Talsperre erbaut.

Die letzten schönen Sommertage sind vorüber, die Freibadsaison für dieses Jahr beendet. Doch auch der Herbst hat einiges zu bieten. Bei einer Wanderung entlang des ENSO-Energie-Erlebnispfades sammeln meine Kindern und ich zum Beispiel Eicheln, Kastanien und bunte Blätter. Die Erlebnisbereiche rund um das Thema Energie sind dabei immer eine willkommene Ablenkung.

Da ich die Wasserkraftwerke an der Roten Weißeritz mittlerweile gut kenne, führt unser Weg diesmal entlang der Wilden Weißeritz zum Wasserkraftwerk (WKW) Klingenberg. Es befindet sich am Fuße der gleichnamigen Talsperre und wurde 1913 erbaut.

Zwei Francisspiralturbinen mit einer Leistung von jeweils 400 Kilowatt nutzten die Energie des Wassers für die Stromerzeugung. Durch eine Druckleitung fließen bis zu 3,3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von der Talsperre zum WKW und überwinden dabei eine Höhe von maximal 34,5 Meter. Danach wird es durch Triebwasserstollen und Druckrohrleitungen in die Kraftwerke Dorfhain und Tharandt und anschließend in das Wasserwerk Dresden-Coschütz geschickt.

Funktionsprinzip des Wasserkraftwerks Klingenberg.

Funktionsprinzip des Wasserkraftwerks Klingenberg.

Das Anstauen der Wilden Weißeritz und die Wasserspeicherung bewirken einen gleichmäßig hohen Wasserdurchfluss und eine große Fallhöhe. Für die Stromerzeugung sind das günstige Voraussetzungen. Denn je höher das Gefälle und der Durchfluss, desto größer die elektrische Leistung des Wasserkraftwerkes.

Das gespeicherte Wasser dient jedoch nicht nur für die Stromerzeugung, sondern vor allem dem Hochwasserschutz und der Trinkwasserversorgung. Nach dem Hochwasser 1897, das in den Flusstälern große Schäden anrichtete, entschloss man sich zum Bau einer Talsperre in Klingenberg.

Gewichtsstaumauer der Talsperre Klingenberg

Die Gewichtsstaumauer der Talsperre Klingenberg wurde von 1908 bis 1914 errichtet.

Sie gilt als ein frühes Meisterwerk des Architekten Hans Poelzig. In den Jahren 1908 bis 1914 wurde die Gewichtsstaumauer errichtet. 40 Meter hoch und 310 Meter lang ist der unter Denkmalschutz stehende, gekrümmte Wall aus Bruchstein.

Der gesamte Stauraum beträgt 16,2 Millionen Kubikmeter. Diese nackten Zahlen geben meiner Meinung nach jedoch nicht im Mindesten die beeindruckende Wirkung des Bauwerkes wieder. Deshalb empfehle ich Ihnen, sie sich direkt vor Ort anzuschauen.

Anders als in Malter ist Baden und Wassersport in der Talsperre Klingenberg nicht erlaubt, da das gespeicherte Wasser zur Trinkwasseraufbereitung genutzt wird. Die Entnahme erfolgt aus sechs verschiedenen Höhen, sogenannten Horizonten. Dadurch kann das qualitativ beste Wasser zu Trinkwasser aufbereitet werden.

Von 2005 bis 2013 fand eine grundhafte Sanierung der Talsperre Klingenberg statt. Unter anderem wurde der alte Entnahmeturm durch einen begehbaren Trockenturm ersetzt. Die wassertechnische Ausrüstung, wie beispielweise die Rohrleitungen, wurde ebenfalls erneuert.

Mehrere Bauarbeiter mit Helm bei der Sanierung des WKW Klingenberg vor der Turbine.

Bei der Sanierung des WKW Klingenberg wurde die Turbine generalüberholt.

Auch an unserem Wasserkraftwerk ist die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen. Nach 100 Betriebsjahren wurde es im Winter 2014/2015 umfassend saniert und eine Turbine vom Netz genommen.

Der Grund dafür ist die geringere Wassermenge, die seit der Sanierung aus der Talsperre über das Wasserkraftwerk entnommen und anschließend in Coschütz zu Trinkwasser aufbereitet wird. Die verbliebene Turbine wurde im Zuge der Modernisierung generalüberholt und bekam einen neuen Generator. Um die Fernüberwachung des WKW von unserer zentralen Leitwarte zu ermöglichen, wurden auch die Steuerungstechnik und die Schaltanlage erneuert.

Damit ist unser WKW Klingenberg fit für die Zukunft. Genauso wie unser WKW Tharandt, das sich einige Kilometer flussabwärts an der Wilden Weißeritz befindet. Mehr dazu erfahren Sie in meinem nächsten Beitrag.

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