Warmes Wasser: Kurze oder lange Leitung?

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Wannenbad

Ein Wannenbad ist gerade in der kalten Jahreszeit Balsam für Leib und Seele. Foto: Petra Bork/pixelio.de

Gut 120 Liter Trinkwasser verbraucht jeder von uns hierzulande im Durchschnitt täglich. Etwa 50 Liter davon gehen fürs Hände waschen, Duschen, Baden oder Geschirr spülen drauf.

Bevor es mit der gewünschten Temperatur aus dem Wasserhahn kommen kann, muss das kühle Nass erhitzt werden.

Dafür gibt es zwei Systeme: die zentrale und die dezentrale Versorgung. Die Vor- und Nachteile erläutere ich Ihnen in meinem Beitrag. 

Bei der zentralen Warmwasserbereitung sind zwei Leitungsnetze im Haus installiert, je eines für Kalt- und Warmwasser. Das Wasser wird im Kessel der Heizungsanlage erwärmt und separat gespeichert.

Dagegen kommt es bei einer dezentralen Versorgung dort auf Temperatur, wo es gebraucht wird: unmittelbar an der Zapfstelle. Genutzt werden dafür strom- oder gasbetriebene Durchlauferhitzer sowie Kleinspeicher, so genannte Boiler.

Welches Warmwassersystem das jeweils Richtige ist, hängt vor allem von diesen Faktoren ab:

  • Komfort
  • persönliche Ansprüche
  • Anzahl der gleichzeitig zu bedienenden Zapfstellen
  • sowie örtliche Gegebenheiten.

Allein für das warme Wasser verbraucht eine Person im Jahr zwischen 600 und 800 Kilowattstunden Energie. Wie viel es genau ist, hängt stark von der Haushaltssituation und den Nutzergewohnheiten ab.

Zentrale Warmwasserbereitung

Bei der zentralen Versorgung wird das Wasser an einem Ort – meist im Heizungskeller – erhitzt und gespeichert. Ein Warmwasserspeicher erhöht die mögliche Zapfmenge und dadurch den Komfort. Allerdings treten dabei Speicher- und Verteilverluste auf.

Das sind die Vorteile:

  • Das warme Wasser wird über die Heizungsanlage erzeugt. Die Warmwasserbereitung lässt sich problemlos ins Heizungssystem einbinden.
  • Für die gesamte Warmwasserbereitung ist nur ein Gerät mit mehreren Zapfstellen nötig.
  • Liegen die dafür nötigen technischen Voraussetzungen vor, können Sie weitere Geräte ans System anschließen.

Das sind die Nachteile:

  • Die Installationskosten sind höher als bei dezentralen Systemen.
  • Bei einem ungünstigen Standort und langen Zuleitungen müssen Sie höhere  Wärmeverluste in Kauf nehmen.
  • Eine nachträgliche Installation von Warmwasserleitungen ist sehr aufwändig.

Sind die Leitungswege lang und verzweigt, empfiehlt sich eine Zirkulationsleitung – zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern. Mit Blick auf die Energiekosten sollten Sie dafür sorgen, dass die Leitung isoliert ist und die Zirkulationspumpe mit einer Zeitschaltuhr oder einem Thermostat ausgestattet wird. Schalten Sie die Zirkulationspumpe am besten nachts per Zeitschaltuhr ab.

Händewaschen

Aufs warme Wasser beim Händewaschen möchte niemand mehr verzichten. Foto: Andreas Hermsdorf/pixelio.de

Dezentrale Warmwasserbereitung

Beim dezentralen System wird das Wasser in unmittelbarer Nähe der Zapfstelle erwärmt. Sehr verbreitet sind elektrische Durchlauferhitzer, die sich hydraulisch über zwei Stufen oder elektronisch regeln lassen.

Sie erwärmen das Wasser erst, wenn der Wasserhahn geöffnet wird. Ein Rohr im Gerät wird elektrisch oder durch einen Gasbrenner erhitzt wird. Die Zapfleistung ist daher eingeschränkt.

Benötigen Sie nur eine geringe Wassermenge, sind 5-Liter-Warmwasserspeicher die erste Wahl. Über einen 4-Stufen-Schalter  können Sie die Temperatur regulieren. Mit Hilfe einer Zeitschaltuhr lässt sich der Speicher morgens, mittags und abends für je zwei Stunden einschalten, während des Urlaubs oder bei Abwesenheit ausgeschaltet werden.

Das sind die Vorteile:

  • Es fallen nur geringe Installationskosten an. Der bauliche Aufwand bei einer oder wenigen Zapfstellen ist gering.
  • Kurze Leitungswege verringern die Wärmeverluste.

Das sind die Nachteile:

  • Unter Umständen sind mehrere dezentrale Warmwasserbereiter je Haushalt nötig.
  • Bei gleichzeitiger Warmwasserentnahme an mehreren Zapfstellen kommt es zu Druck- und Temperaturschwankungen.
  • Eine spätere Integration ins Heizsystem ist nicht möglich.

Wegen der baulichen Besonderheiten von Gebäuden ist es mitunter ratsam, beide Systeme der Warmwasserversorgung zu kombinieren. So kann eine zentrale Warmwasserversorgungsanlage um eine dezentrale Komponente erweitert werden, wenn eine Zapfstelle sehr weit weg vom zentralen Warmwasserspeicher liegt – zum Beispiel ein Gäste-WC, wo nur selten und wenig Warmwasser benötigt wird.

Überwiegend in Altbauten mit mehreren Wohneinheiten, aber auch in kleinen Einfamilienhäusern werden häufig leistungsstarke Strom- oder Gasdurchlauferhitzer beziehungsweise große Elektrospeicher genutzt. Abgerechnet wird der Verbrauch über die Strom- und Gasrechnung, was bei den Bewohnern den Anreiz zum Sparen erhöht.

Grafik-Energieverbrauch

Wie die Grafik zeigt, verbraucht jeder Haushalt in Deutschland im Durchschnitt rund 15 Prozent der Energie für die Warmwasserversorgung. Die Kosten dafür sind also nicht unerheblich. Mit der Frage, welche Lösung bei Ihnen die effizienteste ist, wenden Sie sich am besten an einen Heizungsfachmann aus Ihrer Region.

Veröffentlicht von Heiko Hauptmann am 11. Oktober 2016 10:11 in Energie, Spartipps

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