Vogelschutz: ENSO entschärft Mittelspannungs-Freileitungen

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Vogelschar

Amsel, Drossel, Fink und Star nutzen Stromleitungen gern als Rastplatz. Foto: LXpee/pixelio.de

Jeden Morgen werden es mehr. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich zurzeit ganze Scharen von Zugvögeln, die von ihren Brut- oder Überwinterungsgebieten in südlichen Gefilden nach Ostsachsen zurückkehren. Manche von ihnen legen Strecken von mehreren Tausend Kilometern zurück. Dabei überqueren sie Meere, Wüsten und sogar Kontinente. Nicht alle, aber viele Vogelarten brauchen hin und wieder eine Pause.

Stromleitungen sind beliebte Rast- und Sammelplätze. So lange sich die gefiederten Gesellen nur auf einem Leiterseil bewegen, besteht keine Gefahr – obwohl sie einer hohen Spannung ausgesetzt sind.

Wolfgang-Henke-mit-Abdeckhaube

Spezialmonteur Wolfgang Henke von der ENSO NETZ GmbH bringt eine Abdeckhaube aus Kunststoff an. Fotos: Lutz Weidler (4)

Große Vögel können jedoch mit den Flügeln oder ihrem Körper den Abstand zwischen einem Leiter und geerdeten Teilen oder zwischen zwei spannungsführenden Leiterseilen überbrücken. Dann fließt Strom durch ihren Körper, es kommt zu einem Erd- oder Kurzschluss. Die Überlebenschancen der Tiere sind gleich Null.

Damit Weiß- und Schwarzstörchen, Eulen oder Greifvögeln solche Unfälle erspart bleiben, hat Deutschland den Vogelschutz an Energiefreileitungen gesetzlich verankert. Im April 2002 trat die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes in Kraft.

Strommast-ohne-Abdeckhaube

So sah die Mittelspannungs-Freileitung ohne Abdeckhaube aus.

Paragraf 41 legt zum Schutz von Vogelarten fest, “neu zu errichtende Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind. An bestehenden Masten (…) mit hoher Gefährdung von Vögeln sind innerhalb von zehn Jahren die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung gegen Stromschlag durchzuführen.” Diese Frist endete im Dezember 2012.

Vor allem Bauteile wie Querträger, Isolatoren oder Sitzprofile nutzen die gefiederten Gesellen als Sitzgelegenheiten. Um Stromunfälle zu vermeiden, gibt es diese Möglichkeiten:

Peter-Wölfer-mit-Stabisolatoren

Peter Wölfer, 1. Obermeister Instandhaltung im Regionalbereich Bautzen der ENSO NETZ GmbH, zeigt Silikon-Stabisolatoren, die an Abspannmasten eingesetzt werden.

  • Einhalten von Mindestabständen zwischen Strommast und Leiterseil
  • Isolieren von spannungsführenden Teilen
  • Anbieten von isolierenden Sitzgelegenheiten (Standortisolierungen)
  • Vermeiden von Sitzgelegenheiten.

Die sicherste – aber auch teuerste – Maßnahme ist das Verkabeln von Mittelspannungs-Freileitungen. Empfehlungen zum Vogelschutz an Energiefreileitungen hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in einer Broschüre veröffentlicht.

Freileitung-mit-Stabisolatoren

Stahlgitter-Strommast mit neuen Silikon-Stabisolatoren

In Ostsachsen hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel für den Vogelschutz an Freileitungen getan – nicht zuletzt dank ENSO. In den Jahren 2005/20006 waren knapp 11.100 Freileitungsmasten im ENSO-Netzgebiet nachzurüsten. Diese Aufgabe stand bei mir als Umweltschutzbeauftragtem ganz oben auf der Liste.

In Abstimmung mit Naturschutzbehörden und -verbänden haben wir seitdem fast 500 Masten zurückgebaut und Freileitungen durch Erdkabel ersetzt. Das kostete mehr als eine Million Euro. Bereits Ende 2011 entsprachen 96,5 Prozent unserer Mittelspannungs-Freileitungen den Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes. Beim verbleibenden minimalen Rest geschieht das bis zum Jahresende.

Veröffentlicht von Detlef Doege am 7. März 2013 14:18 in Energie, Umwelt

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