StromTicket auf Herz und Nieren geprüft

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StromTicket App

Das StromTicket gibt es als Handy-Applikation, es funktioniert aber auch per SMS. Foto: Neumann

Herzklopfen. Und ein wenig Grummeln in der Magengegend. So geht es mir meist, wenn eine Messe, eine Veranstaltung oder wie neulich unsere Testaktion losgeht. Viel Zeit ist in die Vorbereitungen geflossen. Wir haben alles so organisiert, dass nichts schief gehen sollte. Theoretisch. Praktisch sieht es hin und wieder anders aus …

Ein Blick zurück: Im September hatten wir unsere Kunden aufgerufen, Elektromobilität eine Woche lang im Alltag zu testen. Wie bewähren sich Elektroautos auf dem Weg zur Arbeit? Wie klappt das Stromtanken an den öffentlichen Ladesäulen, die wir auf ein neues System, das StromTicket, umgerüstet haben? Mitte Oktober gingen die ersten Tester mit einem Mitsubishi i-MiEV aus dem ENSO-Fuhrpark an den Start, die letzten kamen am ersten Adventswochenende ins Ziel. Auf www.enso.de/testaktion berichteten sie von ihren Eindrücken.

Als Organisatorin der Aktion war ich auf Stolpersteine gefasst. Dann aber doch überrascht, wie holprig die ersten Wochen anliefen. Ich erinnere mich mit einem unguten Gefühl an den Anruf von Marylin Wirth, die mich informierte, dass alle Versuche, den „kleinen Stromer“ in Radeberg bei einsetzendem Regen aufzuladen, gescheitert sind. Nicht viel anders erging es einige Tage später Andreas Oschika.

Bediendisplay

An der Ladesäule leitet ein Display durch den Bestellvorgang. Foto: Eisenhut

Dabei hatte mein Kollege allen Ladesäulen vor der Aktion extra einen Besuch abgestattet, um deren Funktionstüchtigkeit sicher zu stellen! Glücklicherweise handelte es sich nicht um einen technischen Defekt, sondern „nur“ um Bedienschwierigkeiten, die recht zügig aus der Welt zu schaffen waren.

Viel Geduld bewies René Hille, der sich mit unserer Hilfe die ganze Woche lang vergeblich für das StromTicket anzumelden versuchte. Er war bereits für das Handyticket der Deutschen Bahn registriert und der Systemdienstleister hatte das Szenario einer Zweitanmeldung offensichtlich nicht vorgesehen. Blieb ihm das Tanken an der heimischen Steckdose. Und uns die Erkenntnis, dass wir an der Nutzerführung vom Zeitpunkt der Anmeldung beim Handyticket-Portal bis zum Tanken an der Ladesäule noch ordentlich zu feilen haben.

Glücklicherweise gab es auch Tester, bei denen es wie geschmiert lief und die das Fahren in vollen Zügen genossen. Verena Prasser beispielsweise schrieb: „Fahrspaß: Riesig!!! Der Flitzer fetzt einfach! Absolut direktes Fahrgefühl, keine Geräuschkulisse.“ Oder Andreas Oschika: „Die Heimfahrt in Richtung Bautzen verlief mit einem Grinsen im Gesicht…. Abzug wie ne Straßenbahn, ganz ohne Schalten und Ruckeln mit dem Gefühl, in die Sitze gedrückt zu werden, und das bei so nem Elefantenrollschuh.“

Thermometer

Ist es kalt draußen und die Heizung läuft im Elektroauto, geht das zu Lasten der Reichweite. Foto: Mario Weichert / pixelio.de

Einziger Wermutstropfen: die winterlichen Temperaturen. Denn die Heizung verbraucht zusätzlichen Strom – zu Ungunsten der Reichweite. So kam Claudia Bonke zu dem Schluss, dass der „Kleine“ besser als Saisonfahrzeug für die warme Jahreszeit taugt.

Auch mit den Kosten fürs Stromtanken setzten sich die Tester kritisch auseinander. Für die einen ist die Ersparnis nicht groß genug, um den geringeren Komfort im Mitsubishi i-MiEV auszugleichen. So sah das beispielsweise Andreas Oschika: „Der 6 h Ladevorgang kostet 8 Euro und bringt mich 80 km weit. Mein “SMART für vier” als Diesel braucht knapp 6 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer und kostet mich nach Adam Riese damit 8,40 Euro, dabei ist das Auto warm und bringt mich ohne lästiges Umsteigen an der Ladestation von Haustür zu Haustür.“

Andere ziehen ein positives Fazit so wie Thomas Brückner: „Insgesamt habe ich 415 km zurückgelegt und dabei 70,7 kWh an Energie verbraucht. Das ergibt bei 27,76 Cent (Annahme: Tarif ENSO-Strom-PRIVAT, brutto) pro kWh einen Preis von 4,72 Euro für 100 km gefahrene Strecke. Das ist absolut zufriedenstellend. Ich bin sehr positiv überrascht.“

Unser Test ergab: So ein Elektroflitzer ist zwar kein Langstreckenauto, aber für den Stadtverkehr und das nahe Umland eine feine Alternative zu einem herkömmlichen Pkw. Da das Laden dauert und nicht immer eine öffentliche Ladesäule in Reichweite ist, empfiehlt es sich, die Batterie nachts zu Hause aufzuladen – wenn Mensch und Stromer schnarchen. Dann macht sich auch die Kostenersparnis gegenüber einem Benziner oder Diesel am deutlichsten bemerkbar.

Unseren Testern danke ich für die Geduld und die vielen nützlichen Hinweise! Wir sind jetzt ein ganzes Stück schlauer, werden die Erkenntnisse verarbeiten und die nächste „Aktion Elektromobilität“ vorbereiten.

Veröffentlicht von Claudia Weinhold am 4. Dezember 2013 10:45 in Elektromobilität, Energie

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