Strom aus der U-Bahn

  • Beitrag abonnieren
  • Beitrag empfehlen 7
  • 0
Einfahrende U-Bahn am Bahnsteig

Einfahrende U-Bahnen sorgen am Bahnsteig für ordentlich Wind. Foto: www.Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de

Am Pfingstwochenende war ich beim Karneval der Kulturen in Berlin. Ähnlich wie in Sachsen herrschten an diesen Tagen auch in der Hauptstadt hochsommerliche Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius. Die Möglichkeit, mit der U-Bahn von A nach B zu kommen, war bei dieser Hitze ein wahrer Segen.

So entkam ich nicht nur den Staus, die das Straßenfest alljährlich verursacht, sondern auch in den Genuss deutlich kühlerer Temperaturen an den unterirdischen Haltestellen. Zudem sorgten die einfahrenden Züge regelmäßig für eine erfrischende Brise. Das diese zukünftig sogar zur Stromerzeugung genutzt werden kann, berichtete vor kurzem die Tagesschau.

U-Bahnen erzeugen während des Fahrens einen recht starken Wind, weil sie die Luftmassen im Tunnel vor sich verdrängen. Das ist keine neue Erkenntnis. Hollywood verhalf dieses Phänomen bereits im Jahr 1954 zu einer der wohl bekanntesten Szenen der Filmgeschichte: Als Marilyn Monroe in „Das verflixte 7. Jahr“ über dem Lüftungsschacht einer U-Bahn posiert, wird ihr weißer Faltenrock durch den Luftzug einer vorbeifahrenden Linie hochgewirbelt. Vor allem die männlichen Zuschauer erfreut das wohl bis heute.

Vielleicht haben die Verantwortlichen des amerikanischen U-Bahn-Netzbetreibers Southeastern Pennsylvania Transportation Authority (SEPTA) in Los Angelos genau diesen Film gesehen, als sie auf die Idee kamen, aus dem Wind vorbeifahrender U‑Bahnzüge Strom zu erzeugen.

Für ein Pilotprojekt installierten sie im Tunnel zwischen zwei Stationen ein Turbinensystem, welches den Fahrtwind in Strom umwandelt und in einem Batteriesystem speichert. Dieser kann beispielsweise für die Beleuchtung oder die Rolltreppen genutzt werden. Die Idee dahinter: Je mehr Energie die U-Bahn selbst produziert, umso weniger muss der Betreiber vom Netz kaufen.

Das Video gibt einen kurzen Einblick in das Projekt:

Am meisten hat mich überrascht, dass sich die Rotorblätter der Turbinen bereits dann anfangen zu drehen, wenn der Zug in der Starthaltestelle losfährt. Hat er das Turbinensystem passiert, rotieren sie noch bis zu weiteren zwei Minuten.

Auf diese Weise wurde an einem Tag 77 Kilowattstunden Strom erzeugt. Hochgerechnet auf ein Jahr sind das 28.000 kWh. Diese Menge würde ausreichen, um jährlich zwölf Haushalte mit Strom zu versorgen.

DVB-Straßenbahn

Durch Rekuperation gewinnen DVB-Straßenbahnen beim Bremsen Strom zurück. Foto: Peter von Bechen / pixelio.de

Projekte zur Energierückgewinnung im öffentlichen Personennahverkehr gibt es nicht nur in Amerika, sondern auch bei uns in Sachsen. Die Dresdner Verkehrsbetriebe nutzen beispielsweise die Bremsenergie ihrer Straßenbahnen, um Strom zurückzugewinnen. Der Fachbegriff dafür lautet Rekuperation und ist mir bereits bei den Elektroautos aus unserem Fuhrpark begegnet.

Dabei wird die kinetische Energie beim Bremsen mittels Generatoren wieder in Elektrizität verwandelt. Bei Elektroautos fließt dieser Strom zurück in die Batterie, wodurch sich die Reichweite des Fahrzeugs erhöht.

Straßenbahnen können den zurückgewonnenen Strom entweder selbst nutzen oder zurück ins Oberleitungsnetz einspeisen, damit ihn andere Fahrzeuge im Streckenabschnitt verwenden können. Damit sparen DVB-Bahnen jährlich etwa 20 Gigawattstunden Strom – ungefähr die Menge, die das Pumpspeicherkraftwerk Niederwartha bei Dresden im Jahr produziert.

Was halten Sie von solchen Ideen zur Energierückgewinnung?

Veröffentlicht von Matthias Queitsch am 18. Juni 2014 14:06 in Energie, Wissen

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare verfasst!

  • Name*

  • E-Mail*