Projekt „EnMoVer“ – Energie und Mobilität im Verbund

  • Beitrag abonnieren
  • Beitrag empfehlen 5
  • 9
Elektroauto

Startklar zur Weiterfahrt. Ein Elektroauto, das häufig auf den Straßen rollt, ist wirtschaftlicher. Foto: Tim Reckmann/pixelio.de

Als sich kürzlich mein 15 Jahre altes Auto in den Ruhestand verabschiedet hat, stand ich vor der Frage: Wie will ich mich zukünftig fortbewegen?

Soll es wieder ein Benziner sein? Oder vielleicht doch ein Elektroauto? Oder verzichte ich gar auf das eigene Fahrzeug und kombiniere verschiedene öffentliche Angebote, zum Beispiel ÖPNV und Carsharing?

Ich muss gestehen, das Elektrofahrzeug kam nicht in meine engere Auswahl. Neben dem noch recht übersichtlichen Fahrzeugangebot ist dies vor allem den vergleichsweise hohen Anschaffungskosten geschuldet. Auch wenn sich hier preislich schon viel getan hat, ist immer noch genau zu kalkulieren, ob sich ein Elektrofahrzeug lohnt.

Abgesehen vom Schienenverkehr ist die Verbreitung der Elektromobilität in unserer Region recht überschaubar. Bis Anfang des Jahres gab es in Sachsen lediglich 396 angemeldete Elektroautos. Erfreulich dabei: Dies sind immerhin 86 Prozent mehr als im Vorjahr.

In der Abteilung Unternehmensentwicklung habe ich die Aufgabe, mir zu überlegen, wie ein Energieversorger die Elektromobilität fördern kann. Eine Kernfrage lautet: Gibt es Anwendungsfälle, in denen bereits heute Elektrofahrzeuge wirtschaftlich sind?

Wie diese aussehen könnten und welche die größten Potenziale bieten, untersuchen wir gemeinsam mit der Drewag – Stadtwerke Dresden GmbH und der Technischen Universität Dresden im Projekt „Energie und Mobilität im Verbund“ (kurz: EnMoVer). Ich koordiniere das Projekt.

Elbsandsteingebirge - Blick auf Festung Königstein

In touristisch attraktiven Regionen wie dem Elbsandsteingebirge könnten Verleihstationen für Elektroautos entstehen. Foto: La Liana/pixelio.de

Für ENSO haben wir den ländlichen Raum, für die Drewag die Stadt Dresden im Fokus. Der Pendlerverkehr zwischen Stadt und Land scheint sich besonders für den Einsatz von Elektrofahrzeugen zu eignen.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist die sogenannte Mehrfachnutzung. Das bedeutet, dass ein Fahrzeug – ähnlich wie beim Carsharing – von verschiedenen Personen genutzt wird. Wir wollen eine möglichst hohe Auslastung der Fahrzeuge erreichen. Zum einen kann dadurch ein großer Personenkreis von dem Angebot profitieren. Zum anderen verbessert dies – aufgrund der geringen Verbrauchskosten – die Wirtschaftlichkeit der Elektroautos gegenüber konventionell betriebenen Fahrzeugen.

Um diese Nutzungskonzepte in der Praxis zu erproben, stellen wir als Unternehmen Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur bereit.

Abweichend vom klassischen Carsharing gehen wir von einem „Hauptnutzer“ aus, der bevorzugt auf das Fahrzeug zugreift. Ergänzend kommen Nebennutzer hinzu, denen das Fahrzeug in freien Zeiten zur Verfügung steht.

Ein Beispiel zeigt die Grafik: Ein Pendler fährt morgens von seinem Wohnort Heidenau zur Arbeit nach Glashütte und stellt sein Auto in Arbeitsplatznähe an einem Fahrzeugübergabepunkt ab. In dieser Zeit ist beispielsweise ein Sozialdienst damit unterwegs. Ein intelligentes Verleihsystem stellt sicher, dass dem Pendler abends wieder ein Auto mit genügend Reichweite für den Weg nach Hause zur Verfügung steht. Zusätzlich könnte es in den Abend- oder Nachtstunden für Liefer- oder Sicherheitsdienste fahren. Wenn der Pendler das Fahrzeug am Wochenende nicht selbst nutzt, hätten Touristen die Möglichkeit, damit die Region zu erkunden. So wäre es fast rund um die Uhr ausgelastet.

Pendlerverkehr: Kombination private und gewerbliche Nutzung

Quelle: TU Technische Universität Dresden

Ähnliche Ansätze wollen wir für den kommunalen Wirtschaftsverkehr und den Tourismus finden. Elektrofahrzeuge könnten touristisch attraktive Standorte miteinander verbinden. Besucher hätten so die Möglichkeit, umweltschonend zum nächsten Ausflugsziel zu gelangen.

Würden Sie so ein Angebot nutzen? Und an welchen Orten fänden Sie es sinnvoll?

Veröffentlicht von Alexander Dreuse am 17. März 2014 16:44 in Elektromobilität, Energie

Kommentare

9 Reaktionen zu “Projekt „EnMoVer“ – Energie und Mobilität im Verbund”
  • Von Herr Lutzmann

    Hallo Herr Dreuse,

    in den vielen Jahren, in dem ich mich mit der "elektrischen Fortbewegungsart" beschäftige ist eins immer wieder interessant:
    - jeder forscht für sich allein (sicherlich auch um gefördert zu werden),
    keiner läßt die anderen in seine Karten gucken und es kommt etwas
    heraus, was von der gelebten Praxis (etwas) entfernt ist.

    Ich hoffe, das trifft nicht auf Ihr Vorhaben zu.
    Das, was Sie untersuchen wollen, wird von allen langjährigen E-Mobilisten (teilweise seit 20 Jahren elektrisch unterwegs) seit Jahren vorgelebt.
    Man hält Kenntnisse und Erfahrungen auch nicht unter Verschluß, sondern geht an die Öffentlichkeit, zuletzt am 01.03. im Verkehrsmuseum Dresden als Abschluß der Sonderaustellung "Aufgeladen" (dort: http://www.verkehrsmuseum-dresden.de/de/20140218133612.html)
    Leider werden solche Veranstaltungen von Forschern, Entwicklern
    und "Fördergeldempfängern" nicht besucht.
    Warum wohl, weil in den Vorträgen "aus der gelebten Praxis" geplaudert wird, aufgezeigt wird, wie man heute schon mit einem nicht übermäßigen investierten Geldbetrag Spaß, Freude, gutes Gewissen an seiner "reccourcen- und geldsparenden" Elektrokarre haben kann.
    Die Erfahrungen liegen bei Ihnen vor der Tür. Seit Jahren regen die
    Dresdener E-Mobilisten eine Ideenkonferenz an, in dem wir unsere
    Erfahrumgen öffentlich an die Frau oder den Mann bringen könnten.
    Leider immer wieder unverbindliche Interessenbekundungen von allen Seiten, aber nischt konkretes.
    Wie ? Kein Problem, Die Inhaber Ihrer "Ladekarten" sind Ihnen bekannt, man braucht sie nur zu Kaffee und Keksen einladen.
    Das Weitere können Sie dem Selbstlauf überlassen ...

    Ich drücke Ihnen die Daumen und wünsche Ihnen alles Gute für Ihr
    anspruchsvolles Thema (ich hätte da sicherlich auch einige witzige Ideen) und bin gespannt auf Ihre Arbeit.

    Gehen Sie bitte nicht den Weg, den Ihre Kollegen mit der Preiskalkulation an Ihren Ladesäulen gegangen sind, das Ergebnis können Sie hier im Blog nachlesen: http://www.enso-blog.de/testpersonen-stromticket-gesucht, den Umsatz an Ihren Ladesäulen finden Sie sicherlich in Ihrem ENSO-Intranet.

    Spannungsgeladene Grüße aus der Dresdener E-Fahrzeugszene
    Herr Lutzmann Antworten

    • Von Alexander Dreuse

      Hallo Herr Lutzmann,

      danke für Ihren Kommentar.

      Wir sind uns einig: Es ist nicht gut, wenn jeder für sich allein forscht. Deshalb haben wir uns auf regionaler Ebene mit DREWAG und der TU Dresden zusammengetan, besuchen regelmäßig Fachforen zu diesem Thema und tauschen uns bei Veranstaltungen aus.

      Zudem sind die einzelnen Schaufenster miteinander vernetzt, so dass es deutschlandweit einen ständigen Wissensaustausch zwischen allen Beteiligten gibt.

      Auch die sächsischen E-Mobilisten, zu denen Sie gehören, beziehen wir in unsere Überlegungen ein. Sie selbst erwähnen die aktive Diskussion hier im Blog. Oder denken Sie an das Treffen letzten Herbst im Kraftwerk Mitte Dresden, als wir alle miteinander im Gespräch waren und Ihre Hinweise aufgenommen haben. Der nächste Stammtisch für dieses Jahr ist in Planung. Wir werden uns melden, sobald es konkret wird. Kaffee und Kekse halten wir bereit! ; )

      Ihre Vortragsreihe im Verkehrsmuseum habe ich übrigens mit meinen Kollegen persönlich verfolgt. Sehr interessant, auch wenn wir nicht in allen Punkten derselben Auffassung sind.

      Bis zum nächsten Mal. Energiegeladene Grüße

  • Von Klemens Surmann

    Guten Tag Herr Dreuse,
    ich finde das von Ihnen skizzierte Nutzungskonzept könnte definitiv ein nachhaltiges Modell für Ballungsräume und den Pendlerverkehr darstellen. Aber auch die Nutzung für touristisch attraktive Standorte klingt sehr interessant.

    Wir veranstalten "drüben" bei der Gothaer übrigens gerade eine Blogparade zum Thema: http://gothaer2know.de/blogparade-mobilitaet/

    Das hier vorgestellte Konzept passt sehr gut zur Frage nach der zukünftigen Entwicklung von Mobilität. Vielleicht haben Sie ja Lust & Zeit sich auch hieran zu beteiligen. Wir würden uns freuen -- erstens, da man auf Ihrem Blog ja einiges zum Thema zu lesen bekommt und zweitens, da Sie mit Ihrer Expertise mit Sicherheit viel Substanzielles zum Thema beitragen könnten.

    Mit besten Grüßen
    Klemens Surmann Antworten

    • Von Alexander Dreuse

      Hallo Herr Surmann,

      danke fürs Lob. ; ) Ich nehme per Mail Kontakt zu Ihnen auf, dann können wir uns direkt abstimmen.

      Viele Grüße aus Dresden.

  • Von Klemens

    Gerade hier ind en Städten ist das Thema Mobilität existenziell. Derzeit ersticken die Städte in einer Ansammlung von SUV's, Vans oder sonstigen Riesengefährten, für die einfach kein Platz ist, in denen trotzdem meist nur eine Person sitzt. Ich denke, man muss sich einfach verkleinern, egal ob man zum Roller, Rad, Autos nur als Zweisitzer oder sonstwas geht. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind einfach zu teuer und brauchen zuviel Zeit, Elektroautos sind vom Preis und der Laufdauer leider auch keine Alternative. Vielleicht macht auch nur die Lobby von Shell, BP und Co gute Arbeit.... Antworten

  • Von TGI

    Wir haben ebenfalls noch relativ kurz vor dem Ende an der Blogparade teilgenommen: http://blog.tgi-partner.de/teilnahme-an-der-blogparade-gibt-es-ueberhaupt-noch-mobilitaet/ Deinen Beitrag habe ich dabei allerdings extra erwähnt, denn ich fand es sehr spannend zu sehen, was du da grafisch auf die Beine gestellt hast, was die Pendler angeht! Es ist schon Wahnsinn, das bildlich zu sehen. Antworten

    • Von Alexander Dreuse

      Hallo TGI,

      freut mich, dass mein Beitrag auf Interesse stößt. Die Grafik stammt allerdings nicht von mir selbst, sondern aus der Feder unseres Projektpartners TU Dresden. Das soll auf keinen Fall verschwiegen werden. ; )

  • Von Dieter Winkler

    Hallo Herr Dreuse,
    beim Verbundauto meldete ich mich an.
    Selber betreiben wir hier im www.ebz.de einen VW e-Up! und einen Citroen C-ZERO (über die DREWAG geleast).
    Dazu kommen noch zwei Pedelecs.
    Der Strom kommt von Sonne, Wind und ggf. aus dem zentralen Speicher über unsere Ladesäulen.
    Beim Smart Advisor sind wir aktiv in die Module 8,9 und 10 involviert. Selber engagiere ich mich seit Anfang der 90er in der E-Mobilität.
    Herr Lutzmann, siehe oben, hat schon alles gesagt, was mich auch bewegt. Die E-Mobilität liegt mir am Herzen. Ich sehe die E-Mobilität nicht nur auf der Strasse, sondern auch auf der Schiene www.solarbahn.de, auf dem Wasser www.solarmobil.net/meldu029.htm und vielleicht auch mal in der Luft. Mit sonnigen Grüßen - Dieter Winkler Antworten

    • Von Alexander Dreuse

      Danke, Herr Winkler, für Ihren Kommentar.

      Finde ich prima, dass Sie uns bei der Praxisstudie "Verbundauto" mit der TU Dresden unterstützen wollen. Vielleicht passt Ihr Nutzerprofil auf eines unserer Testfahrzeuge. Im September wissen wir mehr!

  • Name*

  • E-Mail*