Praktikum bei ENSO: Von Shanghai nach Dresden

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Praktikant Gu an seinem Computer-Arbeitsplatz

Dieses Foto entstand während meines sechsmonatigen Praktikums bei ENSO. An der Technischen Universität Dresden studiere ich Informationssystemtechnik.

Zwei Reisekoffer und zwei Rucksäcke – mit insgesamt 60 Kilogramm Gepäck machte ich, Chenlin Gu,  mich am 2. Oktober 2007 auf den Weg von Shanghai nach Dresden.

Im Flugzeug rief ich mir die vergangenen Jahren in Erinnerung: Ich lernte Deutschland erstmals durch seine Autos auf den Straßen meiner chinesischen Heimatstadt und die Fußballspiele im Fernsehen kennen. Das Land auf der anderen Seite Eurasiens war für mich wie ein Magnet.

Ich begann, im Internet Informationen über Deutschland zu suchen, als ich mit 15 den ersten Computer hatte. Damals konnte ich mir noch gar nicht vorstellen, dass ich eines Tags dort studieren werde. Weil ich mich für Fremdsprachen und Kultur interessierte, war die Entscheidung für Germanistik eine sehr spontane.

Auf der Insel Chongming

Beim Heimaturlaub 2010 besuchte ich auf der Insel Chongming mit meinen Eltern Verwandte.

Dabei spielten auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern eine Rolle: Mittlerweile haben Tausende deutsche Firmen in der Umgebung von Shanghai ihre Niederlassungen, und dort zu arbeiten, wäre eine tolle Sache für mich.

Mit der Zeit stellte ich fest: Germanistik ist etwas Anderes als das Erlernen von Alltagssprache und Kultur. Im Beruf möchte ich etwas Technisches beherrschen. Also Technik – warum nicht in Deutschland? Deutsch kann ich gut. Zugleich möchte ich etwas Neues erleben und selbst organisieren.

Mit diesem Gedanken ging ich zu meinen Eltern und bekam von ihnen volle Unterstützung. Beglaubigung von Zeugnissen, Sprachprüfung, Bewerbung und Visum, alles lief reibungslos. Ich habe mich für das Studium der Informationssystemtechnik entschieden, weil ich hier einerseits gute Berufschancen sehe. Andererseits verbirgt sich in Hard- und Software ein „Zauber“, auf den ich immer schon neugierig war.

In Frankfurt/Main bekam ich das erste Problem: Wie kann ich mit zwei Händen vier Gepäckstücke transportieren? Mein erster Eindruck von Deutschland: ruhig, sauber, ordentlich. Und es gibt mehr Landsleute als gedacht. Schnell habe ich in Dresden ein paar neue Freunde kennengelernt. Gemeinsam kochen wir und feiern die traditionellen chinesischen Feste wie das Frühlingsfest (das chinesische Neujahrsfest) oder das Mondfest (das Mittherbstfest).

Etwas schwieriger ist die interkulturelle Kommunikation. An der Uni haben wir eine internationale Lerngruppe aus fünf Leuten gebildet. Auch Sport ist eine gute Methode, sich besser zu verstehen.

Am Dresdner Elbufer

Gern spaziere ich durch Dresden und laufe mit Freunden an der Elbe entlang.

So schauen wir uns in der Freizeit Fußballspiele an, fahren wir am Wochenende mit dem Rad entlang der Elbe in die Sächsische Schweiz oder gehen im Sommer schwimmen. Wenn ich von Fußball spreche, dann muss ich unbedingt deutsches Bier und andere Getränke erwähnen. Die sind wirklich lecker und vielfältig! Mit dem deutschen Essen komme ich auch zurecht ;-).

Das Studium fiel mir am Anfang wirklich sehr schwer, vor allem, weil ich alles in einem ganz neuen Fachbereich in einer Fremdsprache lernen muss. Dank der Hilfe von vielen Freunden bzw. Mitstudenten und meiner Entschlossenheit durchzuhalten ist die Situation in jedem Semester etwas besser. Ich habe immer mehr Lust auf die Sachen, die ich lerne.

Begeistert bin ich von den Ideen und Technologien, die unser Leben verändert haben und verändern. Dass ich später als Ingenieur mit meinem Wissen daran mitwirken kann, macht mich stolz.

Im Mai letzten Jahres begann mein Praktikum im Rechenzentrum der ENSO. Bei meinen ersten Schritten ins Berufsleben entwickelte ich einen Infomail-Dienst. Das ist ein Service für Datenverarbeitungs-Verantwortliche, der sie daran erinnert, dass Arbeitsverhältnisse von Mitarbeitern bald enden.

Dabei musste ich selbst einige Verantwortung übernehmen: Es gäbe ein großes Chaos, wenn die E-Mails versehentlich an alle Mitarbeiter geschickt würden! Zuerst lief alles auf einem Testserver. Es machte mich glücklich, als der Dienst problemlos funktionierte und in den produktiven Server übernommen werden konnte.

Im Fitnessstudio

Seit September vorigen Jahres trainiere ich mehrmals pro Woche in einem Dresdner Fitnessstudio.

In dem halben Jahr bei ENSO vertiefte ich nicht nur meine fachlichen und praktischen Kenntnisse, sondern bekam auch einen Einblick in den realen IT-Betrieb.

Wöchentlich nahm ich an einem Meeting teil und sah, wie meine Kollegen auf Zeit tolle Ideen entwickeln, Meinungen austauschen, Aufgaben verteilen und Probleme lösen. Oft lud ich sie zu meinen Präsentationen ein, stellte meine Gedanken vor und bekam von ihnen wertvolle Tipps und Hinweise.

Sechs Monate sind kurz. Am letzten Tag war ich ein bisschen traurig, dass ich mich von meinen Kollegen und der ersten beruflichen Tätigkeit verabschieden musste. Nun habe ich noch die Diplomarbeit zu verfassen. Gern würde ich diese bei ENSO schreiben.

Und danach? Viele Leute fragen mich, wo ich nach dem Studium arbeiten möchte. Zuerst mal für ein paar Jahre in Deutschland. Das Praktikum bei ENSO hat mir gezeigt, dass ich trotz aller Schwierigkeiten eine Menge lernen kann. Was danach kommt, weiß ich ehrlich gesagt selbst noch nicht. Aber egal, wo ich später einmal bin, eines ist sicher: Das Studium in Deutschland und das Praktikum bei ENSO haben mich fürs Leben geprägt.

Veröffentlicht von Nachwuchs am 15. Januar 2014 11:25 in Karriere
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Kommentare

Eine Reaktion zu “Praktikum bei ENSO: Von Shanghai nach Dresden”
  • Von Alexander Schwolow

    Ich habe Chenlin Gu während seines Praktikums bei uns in der IT-Abteilung kennen gelernt und teilweise auch mit ihm zusammen gearbeitet, Er ist wirklich ein sehr sympathischer Zeitgenosse.

    Ich hoffe, es klappt, dass er seine Diplomarbeit bei uns schreiben kann. Seine fachlichen Qualitäten waren sehr überzeugend und es würden beide Seiten sehr davon profitieren.

    Unabhänigig davon wünsche ich Chenlin Gu alles Gute auf seinem privaten und beruflichen Weg. Antworten

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