Ostsächsische Osterbräuche: Von Eier verzieren bis Osterreiten

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Körbchen mit bunt verzierten Ostereiern und einem Küken

Zum Osterfest malen wir Eier an. So ist es Brauch – auch in meiner Familie.

Letztes Wochenende habe ich Ostereier verziert. Schon in meiner Kindheit gehörte das Eierfärben für mich genauso zur Osterzeit wie der Osterhase.

Aber wieso bemalen wir ausgerechnet Eier? Und wieso erzählen wir unseren Kindern, dass der Osterhase sie versteckt?

Neugierig wie ich bin, habe ich mich belesen und Kollegen befragt, was sie mit Ostern verbinden und welche Traditionen sie pflegen. Da wir in unterschiedlichsten Orten Ostsachsens zu Hause sind, ist so einiges zusammengekommen.

Ostereier

218 Eier pro Jahr verzehren wir Deutschen laut Statistik im Durchschnitt. Zu Ostern sind es auf den Monat gerechnet zwei bis drei Eier mehr als sonst. Weniger als ich dachte.

Wo genau der Eierbrauch her kommt, ist nicht bekannt. Vermutet wird, dass es einen engen Zusammenhang mit der symbolischen Deutung des Eies gibt: In vielen Kulturen und Religionen steht es sinnbildlich für die Entstehung neuen Lebens und die Wiedergeburt.

Sorbische Ostereier

Sorbische Ostereier sind kleine Kunstwerke und ganz besonders schön! Foto: Makrodepecher/ pixelio.de

Die christliche Kirche verbindet das Ei mit der Auferstehung Jesu Christi nach der Kreuzigung. Während der letzten Woche vor dem Ostersonntag war es den Christen nicht erlaubt, Eier zu essen. Also bewahrten sie sie auf und verzierten sie mit schönen Farben, um sie am Ostersonntag zu weihen und feierlich zu verspeisen.

Dieser Brauch ist bis heute erhalten und hat sich zum allgemein bekannten „Ostereier bemalen und suchen“ entwickelt – vor allem in der Lausitz, im Spreewald, in Sachsen und Brandenburg.

Osterhase

Das Phänomen Osterhase taucht Ende des 17. Jahrhunderts zum ersten Mal  in Deutschland auf. Doch erst im 19. Jahrhundert gelang es dem Osterhasen vielerorts Fuß fassen und den bisherigen Eierbringern den Rang abzulaufen. Beispielsweise soll er den Storch aus Sachsen, Thüringen und Bayern und den Fuchs aus Westfalen vertrieben haben.

Ein Osterhase mit Osterei sitzt im Gras

Osterhase im Dienst: Lautlos und unbemerkt versteckt er bunt verzierte Eier. Foto: Bernd Kasper/ pixelio.de

Wieso gerade ein Hase? Er ist – genau wie das Ei – ein Symbol für Fruchtbarkeit. Immerhin bringt eine Häsin bis zu 20 Junge im Jahr auf die Welt. Außerdem lockt der Frühling die possierlichen Tierchen zur Futtersuche raus auf die grüne Wiese. Deshalb wurde ihm das Ablegen der Eier angedichtet.

Da er von Natur aus scheu ist, sich im Gras und unter Sträuchern abduckt, sind diese nicht auf den ersten Blick zu sehen, sondern müssen von uns Menschen erst gesucht und gefunden werden.

Familie Langohr hat sich übrigens in der Oberlausitz häuslich niedergelassen. Wie ich von einem Kollegen erfuhr, bewohnt Olli Osterhase mit seiner Frau Lotti Langohr in Seifhennersdorf einen Osterhasenbau. Von dort aus bereiten sie das Osterfest vor. Seit 2005 betreiben die beiden sogar ein Osterhasenpostamt, in dem Briefe aus 16 verschiedenen Ländern eintreffen.

Osterfeuer

Ein weiteres Symbol für die Auferstehung Christi ist das Licht. Deshalb feiern am Abend des Ostersamstags viele Menschen seine Wiedergeburt, indem sie sich vor der Kirche um ein großes Feuer versammeln, daran die Osterkerze entzünden und in die dunkle Kirche tragen.

Besonders in der Niederlausitz ist dieser Brauch weit verbreitet, aber auch andern Orts – zum Beispiel bei uns in Dresden – sind Osterfeuer zu finden. Er beruht auch auf dem Volksglauben, dass das Feuer eine reinigende Kraft in sich birgt. Und: Mit dem Osterfeuer vertreiben wir die bösen Wintergeister und begrüßen den Frühling.

Eierschieben

Eine Kollegin berichtete mir vom Ostereierschieben – einer Tradition, die es wohl nur bei uns in Ostsachsen gibt und mittlerweile eine große Touristenattraktion ist. Das Spektakel findet am Ostersonntag traditionell auf dem Protschenberg am Rande von Bautzen statt. Auch in anderen Orten, beispielsweise in Burkau, pflegen die Menschen diesen Brauch.

Menschen haben sich zum Ostereierschieben am Protschenberg in Bautzen versammelt

Am Ostersonntag herrscht buntes Treiben am Protschenberg, wenn sich Groß und Klein zum traditionellen Eierschieben zusammen finden. Foto: Dörte Bleul, CC-BY-SA

Er soll seinen Ursprung im 16. Jahrhundert haben. Ursprünglich ließen Kinder aus wohlhabenderen Familien Eier und andere rundliche Leckereien wie Nüsse, Äpfel oder Apfelsinen den Hang abwärts rollen, damit ärmere Kinder sie auffangen und behalten konnten.

Heute purzeln bunte Plastikbälle den Berg hinunter, die gegen kleine Geschenke eingetauscht werden können. Der „Eierjokel“, ein Straßenhändler in zerrissener Kleidung, passt auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Im familiären Kreis gestaltet sich das Ostereierschieben bei unserem Azubi – dort heißt es „Eiertrudeln“ –  so: Hartgekochte, bunt verzierte Eier werden solange einen Hügel hinunter gerollt bis sie kaputt gehen. Dann sind sie zum Verzehr freigegeben.

Osterreiten

Aufgehorcht habe ich beim Stichwort  „Osterreiten“. Obwohl ich aus Sachsen komme, hatte ich von diesem sorbisch-katholischen Brauch bisher nichts gehört.

Am Ostersonntag treffen sich in der Oberlausitz seit fast 500 Jahren mit Gehrock und Zylinder gekleidete Männer auf festlich geschmückten Pferden. Gemeinsam reiten sie von Gemeinde zu Gemeinde, um auf dem Weg durch die Orte die Auferstehung Jesu zu verkünden.

Osterreiter verkünden bei einem Prozessionszug die Auferstehung Jesu

Osterreiter auf dem Weg in die benachbarte Gemeinde. Unterwegs verkünden sie die frohe Botschaft des Osterfestes. Foto: Julian Nitzsche/ pixelio.de

Mittlerweile nehmen jedes Jahr rund 1.600 Reiter teil. Einige Kollegen aus unserem Regionalbereich Bautzen sind darunter, einer beispielsweise auf der Strecke von Storcha nach Radibor.

39 Reiterpaare bilden dort den Prozessionszug. Mit Fahnen und einer Auferstehungsfigur Jesu ziehen sie singend und betend in den Nachbarort. Das Osterreiten ist nicht nur Ausdruck ihrer Religion, sondern für die Reiter auch eine Ehre.

Der Kollege verrät mir, dass er in diesem Jahr zum 25. Mal dabei ist. Das heißt, er darf sich mit einem silbernen Kranz schmücken. Wer zum ersten Mal beim Prozessionszug mitreitet – das ist frühestens im Alter von 14 Jahren möglich – trägt einen grünen Kranz. Beim 50. „Dienstjubiläum“ wird es ein Goldener sein.

Weitere Prozessionszüge führen von Wittichenau nach Ralbitz, von Panschwitz nach Crostwitz, von Nebelschütz nach Ostro oder auch von Bautzen nach Radibor. Kreuzen dürfen sie sich nicht. Das bringt Unglück!

Einen kleinen Vorgeschmack aufs österliche Eierschieben und das Osterreiten bekommen Sie hier:

Falls Sie für die Feiertage also noch keine Pläne haben, besuchen Sie doch einen Ostermarkt, schauen sich das Eierschieben oder einen der Osterreiterzüge an. Vielleicht sogar die beste Strategie gegen das derzeit trübe Osterwetter!

Ich wünsche Ihnen fröhliche Ostertage und einen fleißigen Osterhasen. Vielleicht verraten Sie mir und den anderen Blog-Lesern, Ihren ganz persönlichen Osterbrauch?

Veröffentlicht von Claudia Weinhold am 2. April 2015 10:37 in Energie, Freizeit, Wissen

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