Meine Heizung: Holzpellets plus Solarthermie

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Blick ins Pelletlager

Martin Schramm kontrolliert den Füllstand des Pelletlagers.

Gemeinsam mit sieben anderen Familien kauften meine Frau und ich vor zehn Jahren ein Grundstück mit dreiseitiger Bebauung in einem alten Dresdner Dorfkern. Eine umfangreiche Sanierung war dringend nötig. Wir wollten die Grundrisse und Wohnungsaufteilungen verändern und mussten die Dächer, die Fassaden und die Haustechnik erneuern.

Eines stand für uns als Bauherrengemeinschaft fest: Unsere Wohnungen wollten wir so individuell wie möglich gestalten, die Heizungsanlage aber gemeinsam betreiben. Nur mit welchem Heizsystem?

Eine von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderte Energieberatung half uns bei der Entscheidung. Der zertifizierte Berater ermittelte den Wärmebedarf für unsere Gebäude, prüfte verschiedene Heizsysteme und die Möglichkeiten der energetischen Sanierung.

Wir entschieden uns für ein Nahwärmesystem, das jeder Wohnung den individuellen Wärmebedarf aus einer zentralen Heizanlage liefert. Dafür verglich unser Energieberater folgende Konzepte:

  • mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW)
  • Gas-Brennwert-Kessel
  • Holzpelletkessel
  • Holzpelletkessel mit Solarthermieanlage

Der Energieberater empfahl uns Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle durchzuführen und einen Holzpelletkessel mit Solarthermieanlage oder einen Gas-Brennwertkessel zu installieren.

Genug Platz für ein Pelletlager hatten wir. Außerdem wollten wir gern etwas Neues ausprobieren und zum Klimaschutz beitragen. Hinzu kam, dass sich die Öl- und Gaspreise damals nur in eine Richtung entwickelten – nach oben.

Aus diesen Gründen entschieden wir uns für eine Pelletheizung, die wir mit einer thermischen Solaranlage kombinierten. Im Sommer übernimmt die Solaranlage die Warmwasserbereitung und der Pelletkessel kann ausgeschaltet bleiben. Dafür erhielten wir Fördermittel vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Funktionsprinzip einer Holzpelletheizung

Funktionsweise einer Holzpelletheizung. Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Ein auf Haustechnik spezialisiertes Ingenieurbüro plante die Heizungsanlage, ein Handwerksbetrieb für Heizungs- und Sanitäranlagen aus der Region lieferte und installierte sie.

Wir Bauherren übernahmen manche Arbeiten in Eigenleistung. So hoben wir einen Graben für die Nahwärmeleitung zwischen den einzelnen Gebäuden aus und bauten einen geneigten Unterboden für das Pelletlager.

Holzpellets bestehen aus gepressten Sägemehl oder Hobelspänen und werden in verschiedenen genormten Qualitätsstufen hergestellt. Unser Lagerraum ist recht groß, so können wir uns bis zu 20 Tonnen des Brennstoffs auf einmal liefern lassen. Nachschub bestellen wir zweimal im Jahr. Vor der Lieferung informieren wir uns auf Vergleichsportalen im Internet über die aktuellen Preise und holen uns ein bis zwei Angebote regionaler Lieferanten ein. Ein Silowagen bringt uns die Pellets, die direkt in unser Lager neben dem Heizraum eingeblasen werden.

Ausschachten

Den Graben für die Nahwärmeleitung zwischen den Gebäuden hoben wir Bauherren selbst aus.

Der Heizvorgang verläuft vollautomatisch, der Kessel schaltet sich nach Bedarf ein. Eine Förderschnecke transportiert die Pellets vom Lagerraum in die Brennkammer, wo ein Heizluftgebläse das Brenngut entzündet.

Während der Heizphase überwacht die Steuerungseinheit verschiedene Parameter des Brennprozesses und regelt die Zufuhr der Pellets und der Frischluft sowie den Abzug des Rauchs. Die Asche wird durch ein bewegliches Rost abgerüttelt und mit Förderschnecken in den Aschebehälter geführt.

Der wesentliche Unterschied zu einer Gasheizung besteht darin, dass wir bei der Wartung teilweise selbst Hand anlegen können und müssen. Zwei- bis dreimal im Jahr leeren wir die Aschekästen. Weiterhin empfiehlt der Hersteller des Kessels eine monatliche manuelle Reinigung der Brennkammer. Wir lassen uns dafür mehr Zeit und reinigen diese nach Bedarf.

Für die jährliche Wartung haben wir einen Servicevertrag mit dem Kesselhersteller abgeschlossen. Diese wird meist im Sommerhalbjahr durchgeführt. In den ersten Jahren des Betriebes gab es einige Störungen am Kessel. Oftmals konnten wir diese Aussetzer durch einen Neustart beheben. Mittlerweile sind die Kinderkrankheiten überstanden und unsere Anlage funktioniert reibungslos.

Trotz des höheren Platz- und Wartungsbedarfs haben wir unsere Entscheidung für dieses Heizsystem nicht bereut.

Preisentwicklung

Zwar ist das Heizen mit Holzpellets immer noch günstiger als mit Gas. Allerdings haben sich die Gaspreise in den letzten zehn Jahren auch nicht so entwickelt, wie wir es zum Zeitpunkt unserer Entscheidung erwarteten. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Liebe Leser, das war der letzte Beitrag unserer Serie “Meine Heizung”. Interessieren Sie sich noch für andere Heizungstypen oder würden Sie selbst gern einen Erfahrungsbericht schreiben? Dann nutzen Sie die Kommentarfunktion und lassen Sie es uns wissen.

Veröffentlicht von Mitarbeiter/in am 1. April 2016 09:51 in Energie, Erneuerbare Energien

Kommentare

Eine Reaktion zu “Meine Heizung: Holzpellets plus Solarthermie”
  • Von Heinz Mayländer

    Diese Überlegungen zur Heizungsanlage kommen mir bekannt vor. Meine Frau und ich haben uns im neuen Eigenheim auch für Holzpellets entschieden. [Link entfernt. Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien. Die Redaktion] Antworten

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