Ich als Nachwuchsforscher – mit Spinat fing alles an

  • Beitrag abonnieren
  • Beitrag empfehlen 9
  • 1
Alexander-Seilkopf-(li.)-und-Alexander-Schwolow

Alexander Seilkopf (li.) und ich, Alexander Schwolow, mit unserer Hybrid-Station. Foto: privat

In wenigen Tagen ist es soweit: Schüler und Schülerinnen aus ganz Ostsachsen treten zum Regionalwettbewerb von „Jugend forscht – Schüler experimentieren“ mit ihren Projekten an. Am 1. März um 9 Uhr präsentieren sie ihre Arbeiten in der Wacker Sporthalle in Nünchritz. Viele werden Herzklopfen haben. Ich kann das gut nachvollziehen, denn ich war selbst einmal einer von ihnen.

Rückblende: Wir schreiben das Jahr 1998. Zwei 19-jährige stürmen einen Supermarkt. Ihr Ziel: Spinat kaufen. Zu Hause wollen sie daraus mit Hilfe der Fotosynthese Strom erzeugen. Ihr Ergebnis: eine verwüstete Küche und ein minimaler (!) Ausschlag auf dem Strommessgerät. Die beiden lassen sich nicht entmutigen. Ein Angebot des Lehrstuhls Physik-Didaktik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) für Schüler, das Labor zum Experimentieren zu nutzen, nehmen sie dankbar an.

Sie haben es sicher erraten: Einer der beiden war ich. Der andere mein Schulfreund Alexander Seilkopf. Nach anfänglicher Spielerei mit den vielen Geräten im Labor konzentrierten wir uns auf Solarenergie. Es hat uns fasziniert, wie aus Licht Strom wird.

Hybrid-Station

Skizze unseres Versuchsaufbaus zur effektiven Nutzung von Solarenergie durch hybride Verfahren.

Unser Ziel war es, die damalige Schwachstelle der Solarzellen zu beheben – den niedrigen Wirkungsgrad. Wir bauten eine Hybrid-Station. Mit ihr konnten wir den Teil der reflektierten Strahlung, der normalerweise als Wärme verloren geht, zum Aufheizen von Wasser nutzen. Das heiße Wasser hielt einen Bioreaktor auf Temperatur, der energiereiches Methan erzeugt. Auf diese Weise produzierten wir nicht nur Strom, sondern auch warmes Brauchwasser und Methan. Und das vollkommen unabhängig von Strom- und Gasanschlüssen! In Summe konnten wir den Wirkungsgrad von drei auf etwa acht Prozent erhöhen.

Unser Betreuer der MLU gab uns den Tipp, unser Projekt bei „Jugend forscht“ einzureichen. Wir waren skeptisch. Jugend forscht – da nehmen doch nur diese Wunderkinder mit den wirklich genialen Ideen teil, dachten wir. Demzufolge waren wir in der ersten Runde, dem Regionalwettbewerb, auch ziemlich aufgeregt. Hier merkten wir schnell, dass eine gute Idee nicht alles ist. Sie muss auch ansprechend und überzeugend präsentiert werden. Uns wurde außerdem klar, dass die anderen Teilnehmer auch nur “mit Wasser kochen”. Trotzdem waren wir überrascht, als wir den Wettbewerb in der Sparte Technik als Sieger beendeten.

Jugend-forscht

Logo des bundesweiten Wettbewerbs “Jugend forscht”.

Beim Landeswettbewerb traten wir sicherer auf. Doch auch diesmal hatten wir nicht damit gerechnet, als Sieger gekürt zu werden und uns für den Bundeswettbewerb zu qualifizieren. Abgesehen von dem kleinen Geldsegen, den uns die Preisgelder brachten, gewannen wir einen dreitägigen Workshop am heutigen Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Dort bearbeiteten junge Forscher aus ganz Europa unter der Anleitung von namhaften Professoren Themen zu Nachhaltigkeit und Energieeinsparung. Auch heute stiften die Sponsoren Preise in Form von Praktika oder Besuchen von Forschungseinrichtungen, immer mit Bezug zum Fachgebiet oder zum Projekt. Manche Praktika finden sogar im Ausland statt.

Beim Regional- und Landeswettbewerb herrschte eher eine familiäre Atmosphäre. Der Besuch des Bundeswettbewerbes war ein besonderes Erlebnis. Sehr gern erinnere ich mich an die Abendveranstaltung, bei der ich mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen bin und das Fußballspiel Bayer Leverkusen – Bayern München live verfolgen konnte.

Mittlerweile sind 14 Jahre seit meiner Teilnahme bei „Jugend forscht“ vergangen. Damals standen für mich das Tüfteln und Basteln, der Wettstreit mit anderen und die gewonnenen Preise im Vordergrund. Heute zählen für mich eher die dabei gesammelten Erfahrungen und der Einfluss auf meine persönliche Entwicklung. Auch wenn unser Projekt meine Berufswahl nicht bestimmte (Wirtschaftsinformatik hatte gegen den Ingenieur gewonnen), so doch zumindest mein wissenschaftliches Arbeiten während des Studiums und meinen späteren Arbeitsplatz. In meinem Lebenslauf hatte ich das Stichwort „Jugend forscht“ erwähnt, und beim Bewerbungsgespräch kam der starke Energiebezug meines Projektes zur Sprache. Ich gehe davon aus, dass mir das einen Pluspunkt eingebracht hat. Immerhin bin ich heute Mitarbeiter bei ENSO.

Juroren

Als Juroren nehme wir die Arbeiten der Jungforscher unter die Lupe. Foto: Lutz Weidler

Im Jahre 2010 übernahm unser Unternehmen die Patenschaft für den Regionalwettbewerb Dresden-Ostsachsen und suchte Juroren. Da ich zum Wettbewerb einen starken persönlichen Bezug habe, war ich schnell geködert. Die Tätigkeit als Juror gibt mir einen ganz neuen Blick auf den Wettbewerb. Mir ist mittlerweile klar, dass die Qualität der Arbeiten stark von der Qualität der Betreuung abhängt. Aber auch die Ausstattung beispielsweise mit Materialien und Messgeräten ist entscheidend. Deshalb wurde in Sachsen im letzten Jahr ein Sponsorenpool gegründet, der Schulen oder Jugendeinrichtungen mit Technik ausstattet, wenn mit deren Hilfe eine Arbeit bei „Jugend forscht“ eingereicht wird.

Der Wettbewerb lebt von einer hohen Teilnehmerzahl und von guten Arbeiten. Motivieren Sie, liebe Eltern, Großeltern und Lehrer, Ihre Kinder zum Mitmachen. Sprechen Sie ihnen Mut zu, falls sie an einer vermeintlich kleinen Sache tüfteln, ihr Projekt im nächsten Jahr beim Wettbewerb einzureichen! Traut Euch, Ihr Jungforscher! Ich habe es vorgemacht: Eine Idee und Spinat können ein Anfang sein.

Veröffentlicht von Alexander Schwolow am 25. Februar 2013 16:30 in Energie, Karriere, Wissen

Kommentare

Eine Reaktion zu “Ich als Nachwuchsforscher – mit Spinat fing alles an”
  • Von Alexander Seilkopf

    Ist das Ganze wirklich schon so lange her? Muss wohl so sein, da Alex mit Zahlen schon immer besser umgehen konnte als ich. Auch bei mir hat "jugend forscht" bleibende Eindrücke hinterlassen. Das ertse mal wissenschaftlich arbeiten, Anwendungen, die man sonst nur in der Schule lernen und verstehen musste, brachten beim bauen und tüfteln Spaß.
    Auch auf meinem weitereren Weg hat mich "jugend forscht" begleitet. Zwar nicht als Juror, so doch als Grundlage für meine Arbeit als Ingenieur.
    Ich kann jedem nur sagen, macht mit! Jede kleine Idee, verdient die Chance die Welt zu verändern.

    Alexander Seilkopf Antworten

  • Name*

  • E-Mail*