Heizen mit Server-Abwärme: Datenwolke sorgt für warme Füße

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Laptop

Für ein warmes Zuhause sollte der Online-Speicher am Besten gut gefüllt sein. Foto: ©iStock.com/Yuri

„Schatz, kannst du bitte noch unsere Urlaubsbilder in die Cloud laden, mir ist kalt.“ Dieser Satz könnte in deutschen Wohnzimmern künftig zu hören sein. Das kommt Ihnen komisch vor? Ich erkläre Ihnen, was sich dahinter verbirgt.

Die Dresdner Firma Cloud & Heat hat eine Technologie entwickelt, welche die Abwärme von Servern zum Heizen nutzt. Denn wo Computer arbeiten, entsteht Wärme. So manches auf dem Schoß platzierte Notebook kann im Winter problemlos ein Heizkissen ersetzen.

Damit Prozessor, Festplatte und Co. während des Betriebs nicht überhitzen und Schaden nehmen, müssen sie gekühlt werden. Beim heimischen PC übernehmen Lüfter diese Aufgabe. Sie saugen Umgebungsluft in das Gehäuse und blasen warme hinaus.

In großen Rechenzentren werkeln eine Vielzahl von Computern gleichzeitig. Oft stehen dort mehrere tausend Server in einem Raum, auf denen Daten gespeichert oder bearbeitet werden. Dadurch entsteht entsprechend viel Wärme. Aufwendige Kühlsysteme verhindern dann, dass sich der Serverraum zu sehr aufheizt. Im ungünstigen Fall verschlingt das mehr als ein Drittel der gesamten Energiemenge.

Dieses Problem will Cloud & Heat lösen: Zusammen mit der Technischen Universität Dresden hat das Unternehmen, welches bis April unter dem Namen Aoterra firmierte, eine Technologie entwickelt, bei der die anfallende Abwärme nicht ungenutzt verfällt, sondern Gebäude heizen soll.

Wohnsiedlung

Moderne Wohnsiedlungen mit niedrigem Energiebedarf eignen sich besonders für den Einsatz der Server-Heizungen. Foto: ©iStock.com/Marje

Ihr Konzept: Statt zigtausende Server an einem einzigen Ort zu betreiben, verteilen sie diese in den Kellern verschiedener Häuser oder Wohnanlagen. Dort arbeiten sie in feuerfesten Sicherheitsschränken mit eigener Stromversorgung und – ganz wichtig – Internetanschluss. Denn über diesen verbinden sich die vielen kleinen, dezentralen Rechenzentren wieder zu einem großen, virtuellen.

Die Kosten für den Betrieb übernehmen die Jungunternehmer. Die anfallende Abwärme speist den Pufferspeicher des Hauses, der den Heizwasserkreislauf versorgt und die Trinkwassererwärmung sicherstellt. Über die zentrale Lüftungsanlage heizt die Abwärme zusätzlich das Haus, in dem die Server stehen. Die Innovation aus Dresden spart somit Energie und reduziert die CO2 –Emission.

Damit die Server warm werden und heizen können, brauchen sie etwas zu tun. Die entstehende Rechenleistung vermietet Cloud & Heat deshalb als Cloud-Service an Firmen – und zwar nach deutschem Datenschutzrecht. Die Funktionsweise eines solchen Online-Speichers hat Ihnen mein Kollege Torsten Barthel hier im Blog bereits am Beispiel der Dropbox vorgestellt. In dieser Datenwolke können Sie beispielweise Ihre Urlaubsfotos speichern und anschließend von jedem internetfähigen Gerät abrufen. Das Startup-Unternehmen ist also gleichzeitig IT-Dienstleister und Energielieferant.

Besonders wirtschaftlich laufen die Server-Heizungen in Niedrigenergie- und Passivhäusern. Ältere Gebäude müssen sehr gut isoliert sein, damit sich der Einsatz dieser Heizungstechnologie dort lohnt. Zudem braucht es einen High-Speed-Internetanschluss von mindestens 50 Megabit pro Sekunde.

Über 460 Server haben die Dresdner bislang installiert. 1200 weitere sollen es in den nächsten Monaten werden, die in der ganzen Bundesrepublik verteilt sind. Zuletzt hat das junge Unternehmen, das im vergangenen Jahr für seine ökologisch sinnvolle Lösung mit dem sächsischen Umweltpreis ausgezeichnet wurde, 56 Neubauwohnungen in Dresden mit seiner innovativen Heizungsanlage ausgestattet. Wir bleiben für Sie am Ball, ob sich die Anlage bewährt.

Ich finde die Idee, zwei ganz unterschiedliche Geschäftsfelder sinnvoll zu verbinden, klasse. Umso besser, dass davon auch die Umwelt profitiert. Was halten Sie davon? Könnten Sie sich vorstellen, Ihr Zuhause mit Computern zu heizen?

Veröffentlicht von Matthias Queitsch am 28. Oktober 2014 16:04 in Energie, Spartipps, Umwelt

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