Energiespartipps im Test: Mittagspause auch für den PC

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Kaffeepause

Eine Kaffeepause gönne ich ab sofort nicht nur mir, sondern auch meinem Rechner. Das spart Energie. Foto: Alexander Dreher/pixelio.de

In unseren Büros stehen viele PCs, mindestens einer pro Schreibtisch. Bei den Kollegen der IT-Abteilung sind es hin und wieder auch zwei oder drei. Manchmal sitzt aber niemand am Arbeitsplatz, auf dem Monitor leuchtet der Bildschirmschoner – entweder es ist Projektbesprechung oder Mittagspause. Lässt sich da nicht Energie sparen?, fragte ich mich.

Wir verwenden im Büro keine Spiele-PCs mit hochauflösenden 3D-Grafikkarten, sondern sehr effiziente Desktop-PCs mit einfacher Ausstattung: mit einem aktuellen Quad-Core-Prozessor, einer leisen Festplatte, einer Onboard-Grafikkarte mit passiver Kühlung und einem DVD-Laufwerk. Hinzu kommt ein moderner 24-Zoll-Flachbildschirm, dessen Leistung bei ca. 30 Watt liegt.

Zunächst habe ich mir ein Strommessgerät bei unserem Kundenservice ausgeliehen. Es zeigt an, welche elektrische Leistung ein Gerät aus dem Netz bezieht und wieviel Strom es momentan verbraucht. Beides ist an meinem Rechner sehr unterschiedlich. Bis zum vollständigen Start des Betriebssystems und der ersten Anwendungen zeigte das Messgerät eine Leistungsaufnahme von 40 bis 55 W an. Als mein Rechenknecht dann „nichts zu tun“ hatte, lag sie nur noch bei ca. 33 W.

Wenn ich die üblichen Büroanwendungen ausführe, also E-Mail-Programm, Office oder SAP, ändert sich daran wenig. Es gibt kleine Spitzen (bis 38 W) beim Starten der Programme oder beim Öffnen und Speichern von Dateien. Anders sieht es aus, wenn ich große Datenmengen von meinem PC ins Netzwerk kopiere oder ein Datenbankprogramm starte, welches intensive Rechenleistungen ausführt. Dann steigt seine Leistungsaufnahme schon mal auf bis zu 68 W.

Netzwerkkabel

Auch moderne PCs verbrauchen, wenn sie ausgeschaltet sind, noch geringe Mengen Strom. Das Lämpchen am Netzstecker zeigt an, dass sie sich im Stand-by-Modus befinden.

An einem Arbeitstag von rund neun Stunden zeigte das Strommessgerät für meine Rechentechnik einen Energieverbrauch von 0,584 kWh an, davon entfallen 0,361 kWh auf den PC und 0,223 kWh auf den Monitor. An diesem Tag war ich ca. drei Stunden im Haus unterwegs, also zu Besprechungen oder in der Pause. Dabei hatte ich PC und Monitor an gelassen. Am Ende des Tages waren 13 Anwendungen geöffnet, und etwa zwei Stunden hatte ich das Datenbankprogramm intensiv beschäftigt.

Als nächstes untersuchte ich, welche Effekte es bringt, wenn ich die Geräte beim Verlassen des Arbeitsplatzes ausschalte. Hierbei erstaunte mich sehr, dass sie auch im ausgeschalteten Zustand Energie verbrauchen. Klar weiß ich um den Energieverbrauch im Stand by-Betrieb, aber dass dies auch für moderne Monitore und PCs zutrifft, überraschte mich doch. Der Monitor nahm immerhin noch 0,2 W und der PC 0,6 W Leistung auf.

Ich rechnete nach, wieviel ich beim Verlassen des Schreibtisches sparen kann, wenn ich die Rechentechnik konsequent abschalte. Nehme ich 200 Arbeitstage und eine Abwesenheit von durchschnittlich drei Stunden am Tag an, komme ich auf rund 38 kWh. Zum Nachvollziehen:

Leistung meines PCs 30 W + Leistung meines Monitors 33 W = 63 W. Abzüglich der Leistung, die beide Geräte im Standby-Betrieb beziehen, nachdem ich sie ausgeschaltet habe (0,2 W Monitor + 0,6 W PC = 0,8 W). Das Ergebnis von 62,2 W multipliziere ich mit 200 Arbeitstagen und drei Stunden, an denen ich nicht am Schreibtisch bin. Ergebnis 37.320 Wh bzw. 37,32 kWh.

Das Ausschalten des Monitors ist für mich kein Problem. Doch das ständige Hoch- und Runterfahren des Rechners, verbunden mit einer erneuten Netzwerkanmeldung, dem Starten der Programme und Öffnen der Dateien wird im Arbeitsalltag schwierig.

Eine Lösung, Energie zu sparen, ohne alles neu starten zu müssen, bietet der Energiesparmodus des PCs. Dabei wird der Zustand aller geöffneten Programme gespeichert und der Computer in einen „Schlafmodus“ gefahren. Mit Drücken einer beliebigen Taste lässt er sich relativ schnell wieder wecken und ich kann meine Arbeit an der Stelle fortsetzen, an der ich aufgehört hatte. So geht’s:

Energiesparmodus-Screenshot

 

Die Leistungsaufnahme meines Rechners sinkt während des “Mittagsschlafs“ deutlich und zwar auf 0,8 W. Einziger Wermutstropfen: Programme, die eine permanente Verbindung über das Netzwerk benötigen, erfordern eine neue Anmeldung (z. B. SAP).

Ich selbst habe mir für die Zukunft ein paar Handgriffe vorgenommen, um Energie am Arbeitsplatz zu sparen. Die empfehle ich auch Ihnen, egal, ob Sie im Büro oder zu Hause am PC sitzen.

Any-Key-Taste

Um den Monitor aus dem Mittagsschlaf zu wecken, müssen Sie auf der Tastatur nicht erst die “Any-Key-Taste” suchen. Es genügt, wenn Sie eine beliebige Taste drücken. ;-)

  • Den Monitor schalte ich auf jeden Fall aus, wenn ich den Arbeitsplatz auch nur kurz verlasse. „Aus“ ist der Monitor dann, wenn kein Lämpchen mehr leuchtet.
  • Gehe ich zu Besprechungen oder mache Pause, fahre ich den PC in den Energiesparmodus. Ein komplettes Ausschalten ist nicht sinnvoll, da das Öffnen der benötigten Programme einfach zu viel Zeit in Anspruch nimmt.
  • Die Zahl der geöffneten Programme spielt bei neueren PCs keine wesentliche Rolle für den Energieverbrauch. Sollte sich der Rechner jedoch bei vielen geöffneten Programmen aufhängen, lohnt es sich nicht nur aus Energiespargründen zu prüfen, ob in neue Technik investiert werden sollte. Programme mit starker Rechenlast auszuführen, ist im Arbeitsalltag wohl nicht zu vermeiden.

Nur etwa 38 kwh im Jahr zu sparen, klingt wenig im Vergleich zu den 2.500 kWh, die ein ostdeutscher Haushalt im Durchschnitt insgesamt pro Jahr verbraucht. Aber in Firmen, wie unserer, in der viele Computer im Einsatz sind, fällt das schon ins Gewicht. Deshalb meine ich, dass sich der „Aufwand“ trotzdem lohnt. Wie sehen Sie das?

Veröffentlicht von Alexander Schwolow am 30. September 2014 11:43 in Energie, Spartipps

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