Energiegeschichte: Der Kühlschrank hat auch sächsische Wurzeln

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Mein-Kühlschrank

Von Zeit zu Zeit den Kühlschrank abzutauen, lohnt sich: Je mehr Eis sich ansammelt, umso größer ist der Energieverbrauch.

Zwischen den Jahren musste ich meinen Kühlschrank abtauen. Ein Grund mehr, sich über den Schneefall am zweiten Weihnachtsfeiertag zu freuen. Ich packte die Lebensmittel in Kunststoffbeutel und legte sie für ein paar Stunden vorm Haus in den Schnee.

Jedes Mal, wenn das Abtauen ansteht, frage ich mich, wie früher ein Leben ohne Kühlschrank möglich war. Ich bin es von klein auf gewohnt, verderbliche Lebensmittel darin aufzubewahren. In der Küche meiner Eltern stand ein Gerät vom sächsischen Hersteller Foron.

Der Kühlschrank ist heute nicht mehr wegzudenken. Laut Statistischem Bundesamt besitzen  99,7 Prozent  der deutschen Haushalte ein Gerät zum Kühlen ihrer Nahrungsmittel. Aber wissen Sie, wem wir es verdanken, dass wir nicht jeden Tag frisch einkaufen müssen? Ich habe mich in die Spur begeben, um es herauszufinden.

Vom Natureis zur künstlichen Eis-Herstellung

Der Wunsch, Lebensmittel zu kühlen, um sie länger haltbar zu machen, ist alt. Bereits in der Antike wurde Eis aus den Bergen geholt und in sogenannte Kühlkeller gebracht.

Ungefähr ab Mitte des 18. Jahrhunderts  tüftelten Wissenschaftler und Ingenieure an Verfahren zur künstlichen Kühlung: Der schottische Mediziner und Chemiker William Cullen experimentierte mit der Flüssigkeit Diethylether. Mittels Unterdruck brachte er sie zum Verdampfen. Dabei wurde der Umgebung Wärme entzogen und es bildeten sich geringe Mengen Eis.

Der amerikanische Geschäftsmann Alexander Twinning gilt als der erste, der den chemisch betriebenen Kühlschrank kommerziell vermarktete. Seine Geräte kühlten durch die Kompression (das Verdichten) von Luft. Der französische Ingenieur Ferdinand Carré führte Ammoniak als Kühlmittel ein.

Der Durchbruch gelang einem deutschen Ingenieur, dessen Name vielleicht der eine oder andere kennt: Carl von Linde. Im Jahr 1876 entwickelte er ein Verfahren zur künstlichen Herstellung von Eis, das nach ihm benannt wurde.

Auf dieser Basis funktionierten Kompressor und Kältemaschine zuverlässig. Nun konnte das ganze Jahr über Eis hergestellt werden. So verbreitete sich der Kühlschrank rasch in der Industrie und den Haushalten. Was in seinem Inneren vor sich geht, hat mir als Technik-Laien dieses Video erklärt:

Die Zschopauer Motorenwerke J.S. Rasmussen bauten 1929 den ersten Kühlschrank Europas. Daraus ging später der Volkseigene Betrieb (VEB) dkk Scharfenstein hervor. Unter dem Markennamen Foron fertigte das Unternehmen zu DDR-Zeiten Haushaltgeräte zum Waschen, Trocknen, Kühlen und Gefrieren.

Die Mitarbeiter des erzgebirgischen Betriebes sind  kurz nach der Wende an einer entscheidenden Weiterentwicklung des Kühlschranks beteiligt.

Sachsen machen den Kühlschrank umweltfreundlicher

Als erste Kühlmittel wurden verschiedenen Chemikalien verwendet, am bekanntesten ist Ammoniak. Durch seinen ätzenden Charakter traten häufig Lecks auf, der stechende Geruch breitete sich aus. Ab den 1930er Jahren kamen daher verstärkt Flourchlorkohlenwasserstoffe zum Einsatz, besser bekannt als FCKW.

Freiluftkühlschrank

Dieser Freiluftkühlschrank ist zwar umweltfreundlich, bietet aber nur begrenzt Platz. Foto: F. Betz/pixelio.de

Da sie  unbrennbar und nur in geringem Maße toxisch sind, schienen sie zunächst ideal für den Einsatz als Kältemittel. Als aber bekannt wurde, dass FCKW die Ozonschicht und damit unser Leben auf der Erde gefährden, begann die Suche nach Alternativen aufs Neue.

Harry Rosin, ein deutscher Mediziner, entwickelte in den 1980er Jahren die Dortmunder Mischung. Am Hygiene-Institut Dortmund fertigte er ein Gemisch aus verschiedenen Gasen, zum Beispiel Propan oder Butan, das weit weniger schädlich für die Umwelt war.

1992 gelang dkk Scharfenstein dann das Meisterstück: Das Unternehmen setzte die Dortmunder Mischung erstmals in der Serienproduktion ein – mit Unterstützung von Greenpeace. Eine Finanzspritze der Umweltschützer ermöglichte  sowohl die Entwicklung bis zur Serienreife als auch eine deutschlandweite Werbetour für das FCKW-freie Gerät der Marke Foron.

Dafür erhielten die Sachsen 1993 den Deutschen Umweltpreis. Die Entwicklung war zukunftsweisend: Mittlerweile sind Kühlschränke, die mit FCKW betrieben werden, verboten.

Exponate aus 80 Jahren sächsischer Kältetechnik

Heute betreibt der Verein  Historische Kleinkälte Scharfenstein e. V. ein Informations- und Ausstellungszentrum. Besucher können Foto- und Filmdokumente sowie Exponate aus rund 80 Jahren Kältegeschichte besichtigen. Die Ausstellung  ist an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 13:00 bis 17:00 Uhr sowie jeden Donnerstag von 10:00 bis 14:00 Uhr geöffnet.grafik-energielabelDer Kühlschrank war eine technische Revolution, der das Leben der Menschheit stark verändert hat. Ich bin gespannt,  wie Ingenieure ihn künftig weiter verbessern. Ein großes Thema wird wohl die Energieeffizienz bleiben, gilt er doch als einer der  Stromfresser im Haushalt. Und das, obwohl Geräte der Energieeffizienzklasse A++ heute nur noch etwa die Hälfte  der Energie, die das beste Modell vor 20 Jahren benötigte. In der besten Klasse A+++ ist es noch weniger.

Veröffentlicht von Tina Rüssel am 16. Januar 2015 10:27 in Energie, Wissen
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Kommentare

3 Reaktionen zu “Energiegeschichte: Der Kühlschrank hat auch sächsische Wurzeln”
  • Von Mirko

    Ich frag mich immer, wann die Grenze der ganzen A++++++++ erreicht ist?!

    Nehmen wir mal diesen doch sehr rustikalen Kühlschrank:
    http://www.smartmoebel.de/einbaugeraete/kuehlschrank/einbaukuehlschrank-pkm-ks-120.4-a-eb

    A+. Was bringt mir finanziell ein A+++? Außer höhere Anschaffungskosten. Antworten

    • Von Tina Rüssel

      Hallo Mirko,

      gern versuche ich anhand Ihres konkreten Beispiels mal etwas Klarheit in das Energieeffizienzklassen-Wirrwarr zu bringen. ;)

      Der von Ihnen verlinkte Kühlschrank hat die Energieeffizienzklasse A+ und einen jährlichen Stromverbrauch von 183 Kilowattstunden (kWh). Mit einem vergleichbaren Kühlschrank (Größe, Nutzinhalt etc.) der Energieeffizienzklasse A+++ sparen Sie demgegenüber bis zu 50 Prozent Energie. Das entspricht einer jährlich Ersparnis von circa 92 kWh. Bei einem Preis von 25,7 Cent/kWh sparen Sie somit rund 23,40 Euro im Jahr.

      Laut einer Studie der Deutschen Energie Agentur stehen Kühlschränke durchschnittlich 14 Jahre in deutschen Küchen. Über die gesamte Lebensdauer ergibt das eine Ersparnis von rund 331 Euro bei konstanten Strompreisen. Steigen diese in Zukunft, ist die Ersparnis natürlich noch größer. Fallen sie, geringer.

      Ob sich der Kauf eines Kühlschranks der Energieeffizienzklasse A+++ für Sie lohnt, hängt (neben der Nutzungsdauer und den Stromkosten) also vor allem vom Anschaffungspreis eines energieeffizienteren Gerätes ab.

      Viele Grüße,
      Tina Rüssel

  • Von XAnonymX

    Hallo!

    Dieser Artikel ist sehr informativ, auch das Video, obwohl ich das vorher nicht gedacht hätte...

    Viele Grüße,
    XAnonymX Antworten

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