Energieeffizienz: Als Berater unterwegs in Unternehmen

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Energieeffizienzberatung

Energieeffizienzbeauftrage Helen Winkler berät nicht nur Geschäftskunden, sondern schult regelmäßig auch ENSO-Fachkollegen.

Dass ich einmal Unternehmen zum Thema Energieeffizienz berate, hätte ich zu Beginn meines BWL-Studiums vor acht Jahren nicht gedacht. Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Umweltschutz fand ich jedoch damals schon interessant.

Deshalb richtete ich mein Studium über die Fächer Energiewirtschaft und betriebliche Umweltökonomie daraufhin aus. In der Theorie lernte ich, wie Unternehmen ökologisch handeln. Ob das allerdings auch in der Realität funktioniert? Bei ENSO wollte ich es als Trainee herausfinden.

Meine Aufgabe in dieser Zeit bestand darin, Energiedienstleistungen für unsere Industrie- und Großkunden zu entwickeln. Mit dem Einsatz moderner Technologien sollen die Firmen Energie einsparen oder effizienter nutzen.

Wie im Studium gelernt, begann ich meine Aufgabe mit einer grundlegenden Analyse des Energiedienstleistungsmarktes: Was will der Kunde? Was bieten der Markt und die Konkurrenz? Welchen Nutzen bringt die einzelne Dienstleistung?

Als sich im Jahr 2013 jedoch das Energie- und Stromsteuergesetz änderte, rückten diese Überlegungen erst einmal in den Hintergrund. Denn die Umgestaltung führte dazu, dass sich unsere Geschäftskunden des produzierenden Gewerbes nicht mehr ohne weiteres einen Teil ihrer Energie- und Stromsteuer als so genannten Spitzensteuerausgleich rückerstatten lassen konnten. Vielmehr mussten sie zukünftig nachweisen, dass sie ihre Energieeffizienz kontinuierlich erhöhen.

virtuelles Energieeffizienzunternehmen

Welche Möglichkeiten zur Energieeinsparung in Unternehmen gibt es? Finden Sie es heraus, indem Sie auf die Animation klicken.

Anerkannte Instrumente dafür sind Energiemanagementsysteme wie das nach ISO 50001. Diese Systeme erfassen regelmäßig die Energieströme in Unternehmen, analysieren sie und treiben die Entscheidungen für energieeffiziente Investitionen in den Betrieben voran.

Nun hieß es für mich zu handeln und unsere Kunden so schnell wie möglich darüber zu informieren, wie sie auf die veränderten gesetzlichen Anforderungen reagieren können. Ich beriet mich mit den Fachleuten bei ENSO, erarbeitete Informationsmaterialien und unterstütze unsere Kundenbetreuer bei persönlichen Gesprächen vor Ort.

Die größte Herausforderung bestand für mich darin, mich in die technischen und energetischen Zusammenhänge in den Unternehmen hineinzuversetzen. Doch dank der Geduld meiner Kollegen und der Partner vor Ort ist mir das gelungen. ;-)

So konnte ich unsere Kunden bei den ersten Schritten auf dem Weg zur energetischen Bewertung ihres Unternehmens unterstützen. Ich organisierte Schulungen, um zukünftige Energiemanagementbeauftragte auszubilden und vermittelte Berater an Unternehmen, die eine umfangreichere Begleitung benötigten.

Im Jahr 2013 habe ich über 40 Unternehmen von Bad Muskau bis Zittau, von Grumbach bis Görlitz über Ihre Möglichkeiten beraten. Ich finde es toll, dass mir ENSO das bereits als Trainee zugetraut hat.

Die Firmen gehören den unterschiedlichsten Branchen an – von der Brauerei bis zur Steinverarbeitung. Jeder Betrieb hat seine energetischen Eigenheiten und Schwachstellen. Doch es gibt auch eine Reihe gemeinsamer Merkmale, die für die ganze Branche gültig sind.

So spielt in der lebensmittelverarbeiten Industrie die Raumwärme eine vergleichsweise geringe Rolle. Im Produktionsprozess wird viel Wärme benötigt – in Form von Dampf oder auch von Warmwasser für Reinigungs- oder Verarbeitungszwecke. Da fällt die Raumwärme mit ab.

Einsparpotenziale in Industrie und Gewerbe
 
Gleichzeitig herrscht aber ein hoher Kältebedarf auf unterschiedlichem Temperaturniveau, zum Beispiel für Raum-, Prozess- oder Tiefkühlung. Der Produktionsablauf bringt es mit sich, dass oft warme und gekühlte Betriebsbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft liegen und große Abluftmengen entstehen.

Da bietet es sich an, die Abwärme aus den Druckluftkompressoren oder Kältemaschinen zurückzugewinnen. Mit diesem Thema wurde ich immer wieder konfrontiert, wenn ich die Kompressoren-Räume betrat, in denen gefühlte 60 Grad Celsius herrschen – und ich vor Hitze fast zerflossen bin.

Viele Unternehmen, nicht nur in der verarbeitenden Industrie, nutzen Druckluft, beispielsweise zum Schrauben, Meißeln und Pressen in der Metallverarbeitung, zum Formen der Teile in der Kunststoffverarbeitung oder auch in Fördersystemen für Schüttgut.

Dabei ist diese Energieform teuer und oft mit erheblichen Energieverlusten verbunden. Experten haben ein Einsparpotential von bis zu 30 Prozent errechnet. Neben dem richtigen Druckniveau kommt es auch auf die Dimensionen von Kompressoren und Leitungen an. Leckagen im Rohrnetz müssen schnellstmöglich behoben werden, um einen erhöhten Energieverbrauch durch den Druckverlust zu vermeiden.

schaltbare Steckdosenleiste

Ob im Büro oder zu Hause: Energie lässt sich oft schon mit kleinen Handgriffen sparen.

In meiner spannenden, abwechslungsreichen Traineezeit habe ich mich im Bereich der Energieeffizienz und des Energiemanagements zum Experten entwickelt. Und meine Arbeit hat schon mächtig abgefärbt: Inzwischen trage ich auch bei mir im Büro und zu Hause die Optimierungsbrille. ;-)

So überprüfe ich hin und wieder was die einzelnen elektrischen Geräte verbrauchen, oder erinnere meine Kollegen beim Verlassen des Raums daran, das Licht auszuschalten oder die Heizung auszumachen, wenn das Fenster offen ist. Denn bekanntlich ist die wertvollste Energie die, die man spart!

Veröffentlicht von Mitarbeiter/in am 15. Dezember 2014 13:24 in Energie, Karriere, Services

Kommentare

2 Reaktionen zu “Energieeffizienz: Als Berater unterwegs in Unternehmen”
  • Von Sandro F

    Sehr schöner Bericht.

    Wird bei diesen Energiemanagement-Tipps eigentlich auch die Arbeitszeit gegengerechnet, die durch das Einsparen von Energie verbraucht wird?

    Mein Arbeits-PC benötigt beispielsweise bis alle Programme vollständig ausgeführt sind schon so seine 10-15 Minuten. In der Zeit bin ich nicht arbeitsfähig - also verlorene Arbeitszeit.

    Wenn ich nun den PC 24 Stunden laufen lasse, wird zwar mehr Energie verbraucht, kostet mich aber keine wertvolle Arbeitszeit, da alle Programme am nächsten Tag sofort bereit sind.

    Ich vermute mal, dass die Kosten für die verlorene Arbeitszeit höher sind als eingesparte Energie.

    Intelligente "Startsysteme" werden wohl wegen notwendiger Benutzeraktionen scheitern.

    Lichtausschalten "verbraucht" natürlich keine Arbeitszeit - aber eventuell sollte man auch das automatisieren. Antworten

    • Von Mitarbeiter/in

      Hallo Sandro F.,

      Sie haben Recht. Eine Energieeffizienz-Maßnahme muss am Ende immer auch wirtschaftlich sein, sonst ist sie unternehmerisch nicht sinnvoll. Deshalb beziehen wir mögliche Mehraufwendungen oder Zeitverluste für Mitarbeiter in unsere Wirtschaftlichkeitsanalyse mit ein.

      Gerade wenn eine Maßnahme den Arbeitsalltag eines Mitarbeiters beeinflusst, sollte dieser an der Entscheidung beteiligt werden, um möglichen Unmut oder sogar eine Fehlinvestition vorzubeugen.
      Deswegen wird im Energiemanagementsystem ein Energieteam aus den verschiedenen Bereichen des Unternehmens gebildet. Somit können alle Belange berücksichtigt und in Entscheidungen mit einbezogen werden.

      Mit der Frage, ob es sich aus Energiespargründen lohnt, den Computer immer komplett herunterzufahren, wenn er nicht benötigt wird, hat sich mein Kollege Alexander Schwolow in seinem Blog-Beitrag beschäftigt: „Energiespartipps im Test: Mittagspause auch für den PC“!

      Haben Sie denn schon mal mit einem Strommessgerät getestet, wie viel der Dauerbetrieb Ihres Computers verbraucht?

      Freundliche Grüße,

      Helen Winkler

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