Energie erleben zwischen Klingenberg und Tharandt

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Die-Staumauer-Talsperre-Klingenberg

Der Ausgangspunkt meiner erlebnisreichen Wanderung – die Staumauer der Talsperre Klingenberg. Fotos: René Gaens

Zurzeit lädt das Wetter ja nicht gerade zum Wandern ein. Die Aussichten versprechen allerdings, dass der Regen bald den Sonnenstrahlen weichen soll. Höchste Zeit also, Ihnen den dritten Teilabschnitt des ENSO-Energie-Erlebnispfades vorzustellen. Er führt von unserem Wasserkraftwerk (WKW) Klingenberg zum Wasserkraftwerk Tharandt. Übrigens, auf dem Abschnitt gibt es nun einen neuen Höhenweg – vom Bahnhof Edle Krone zur Jugendherberge „Am Tharandter Wald“.

Für die zirka 13 Kilometer lange Strecke habe ich ungefähr vier Stunden benötigt – ohne eine längere Pause einzulegen. Unterwegs und an unseren drei Energie-Erlebnisstationen gibt es viel zu entdecken. Leider führt der Erlebnispfad aber teilweise auch über asphaltierte Straßen. Deshalb folgender Tipp:

Eine Wanderung, die Sie an Szenen aus Grimms Märchen denken lässt und Kindheitserinnerungen weckt, erleben Sie auf dem Weg von der Talsperre Klingenberg zum WKW Dorfhain. Tauchen Sie ein in eine Welt aus knochigen Bäumen, von Farnen und Moos bewachsenen Felsen und lauschen Sie den Stromschnellen der Wilden Weißeritz. Wer es etwas abenteuerlicher wünscht, startet seine Tour am neuen Höhenweg am Bahnhof Edle Krone. Ach, festes Schuhwerk nicht vergessen!

Grüner Pfeil mit Wasserrad weist den Weg

Die-beiden-Francisturbinen-im-Wasserkraftwerk-Klingenberg

Die beiden über 90 Jahre alten Francisturbinen im WKW Klingenberg sind gut erhalten und arbeiten noch heute einwandfrei.

Wanderschuhe geschnürt, los geht’s. Was mir von meiner letzten Tour auf dem Energie-Erlebnispfad im Gedächtnis geblieben ist: Bloß nicht den grünen Wegweiser mit dem Wasserrad aus den Augen verlieren, sonst verläufst du dich. Den ersten suche und entdecke ich neben unserer Station „Energie aus Biomasse“. Da ich neugierig bin, kann ich der Versuchung nicht widerstehen und ertaste in unserer Biomasse-Fühlbox verschiedene Biomassearten - zum Beispiel Holzpellets. Eine saubere Sache.

Dann folge ich dem Erlebnispfad-Wegweiser und gelange unterhalb der Staumauer zum WKW Klingenberg. Dort lese ich, dass die Anlage schon seit 1914 Strom erzeugt und es in der Staumauer einen Ablass gibt. Darüber strömt das gestaute Wasser der Wilden Weißeritz in die Turbine. Anschließend wird es durch Triebwasserstollen und Druckrohrleitungen in die Kraftwerke nach Dorfhain und Tharandt geleitet. Von dort aus fließt es in das Wasserwerk Dresden-Coschütz.

Wie im Märchenwald

Der-Märchenwald-im-romantischen-Wiesental-der-Wilden-Weißeritz

Das romantische Wiesental der Wilden Weißeritz verzaubert Groß und Klein. Foto: privat

In meinem Kopf speichere ich das gerade Gelesene ab und setze meinen Weg entlang der Wilden Weißeritz fort. Auf der schmalen Stichstraße „An der Staumauer“ geht es bis nach Klingenberg, kurz durch das Dorf, vorbei am Dammwildgehege und auf den Gückelsberg. Und nun endlich habe ich Waldboden unter meinen Füßen. Vor mir liegt das romantische Wiesental der Wilden Weißeritz mit seiner beeindruckenden Flora und Fauna.

Es geht vorbei an Farnen und knochigen Bäumen. Mit Moos und Flechten bewachsene Felsen türmen sich vor und neben mir auf. Der Pfad ist mit Wurzeln durchzogen. Rechts neben mir die Wilde Weißeritz. Mal mehr, mal weniger rauschend windet sie sich durch das Tal. Seichte Uferstellen laden zum Picknick ein. Unterwegs weist mich eine alte Lore am Wegesrand auf das Schaubergwerk „Aurora Erbstolln“ hin. Eine Landschaft wie in Grimms Märchen.

Das-Pochwerk-am-Getrost-Mut-Erbstolln

Am Pochwerk bekommen Sie einen Eindruck von der schweren Arbeit der Bergleute.

Bevor ich das Schaubergwerk erreiche, gehe ich am stillgelegten „Getrost Mut Erbstolln“ vorbei. Dort befindet sich unsere Station „Wasserkraft im Bergbau“. Ich komme gerade dazu, als ein älterer Herr seinem Enkel die Funktionsweise eines Pochwerks erklärt. Gespannt beobachtet der Kleine, wie sein Opa mithilfe eines Hebelarms Wasser in das Pochwerk pumpt und das darunter liegende Gestein zerkleinert wird.

Nur ein paar Schritte weiter – das Schaubergwerk „Aurora Stolln“. Eine liebevoll hergerichtete Mineraliensammlung, Loren und ein altes Gleisbett vor dem Bergwerk versetzen mich zurück in eine längst vergangene Zeit. Und schließlich geben Informationstafeln die letzten Geheimnisse des Bergbaus am Rande der großen Sächsischen Reviere preis.

Das-Schaubergwerk-Aurora-Erbstolln

Ein herzliches “Glück Auf, liebe Bergfreunde” heißt es am Schaubergwerk Aurora Erbstolln.

Für all diejenigen, die sich selbst einmal ein Bild von einem mittelalterlichen Bergwerk machen wollen, hat der „Aurora Erbstolln“ von April bis Oktober jeden Samstag von 10 bis 14:30 Uhr geöffnet.

Trinkwasser und Energie für Dresden

Ein Blick auf die Wanderkarte verrät: Bis zum Wasserkraftwerk Dorfhain sind es noch ein paar märchenhafte Kilometer. Das WKW gehört der DREWAG-Stadtwerke Dresden GmbH und ist auch eine Station am ENSO-Energie-Erlebnispfad. Am Trinkwasserbrunnen gönne ich mir einen großen Schluck und lese aufmerksam die Informationstafel.

Das Wasser aus der Talsperre Klingenberg wird nicht nur zur Stromerzeugung genutzt. Hauptsächlich dient es der Trinkwasserversorgung der Landeshauptstadt Dresden. Die Stromerzeugung ist also nur ein Nebenprodukt.

Festes Schuhwerk, Kondition und ein Hauch von Abenteuer

Der-Einstieg-zum-Höhenweg-am-Bahnhof-Edle-Krone

Der Einstieg zum Höhenweg am Bahnhof Edle Krone verheißt Abenteuer. Foto: privat

Von Dorfhain zum Bahnhof Edle Krone führt ein dicht bewachsener Pfad entlang der Wilden Weißeritz. Dann aber leider über die Bundesstraße. Familien und Kinder sollten daher diesen Abschnitt lieber meiden. Familienfreundlicher ist der neu eröffnete Höhenweg vom Bahnhof Edle Krone zur Jugendherberge „Am Tharandter Wald“. Trittfestigkeit und festes Schuhwerk sind aber dennoch geboten. Am Bahnhof Edle Krone weist unweit des Bahnhofshäuschens ein Erlebnispfad-Wegweiser auf den Einstieg zum Höhenweg hin.

Zu Beginn geht es fünf bis sechs Minuten lang über Steinstufen und Wurzeln stetig bergauf. Dann wird es flacher. Ein naturbelassener Wanderweg windet sich nun in mehr oder weniger engen Kurven vorbei an Baumriesen und Farnen aus sattem Grün, durchs Dickicht und über kleine Felsen. Enge Wege und abschüssiges Gelände vermitteln auf dem Weg zur Jugendherberge einen Hauch von Abenteuer.

Die-Archimedische-Schraube-unweit-der-Herberge-Am-Tharandter-Wald

Der griechische Gelehrte Archimedes formulierte bereits im 3. Jahrhundert vor Christus das archimedische Prinzip.

An der Herberge befindet sich unsere Station „Energie aus Wasserkraft“. Wollten Sie schon immer einmal sehen, wie Wasser mithilfe einer Archimedischen Schraube von unten nach oben befördert wird? An diesem Modell können Sie es ausprobieren.

Auf zu Entdeckungstouren und märchenhaften Pfaden

Bis zum WKW Tharandt sind es nun noch zirka zwei Kilometer – wieder abwechselnd aufgeteilt auf Bundesstraße und auf einen Waldweg. Seit 1925 ist das Wasserkraftwerk in Betrieb. Über einen 3,5 Kilometer langen Tunnel wird das kühle Nass der Wilden Weißeritz aus der Talsperre Klingenberg herangeführt und fließt zur Wasseraufbereitung anschließend in das Wasserwerk Dresden-Coschütz.

Haben Sie Lust bekommen, auf märchenhaften Pfaden zu wandern und Abenteuer zu erleben? Dann auf zum Energie-Erlebnispfad!

Veröffentlicht von Martin Waldau am 27. Mai 2013 15:00 in Energie, Erneuerbare Energien, Freizeit
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Kommentare

Eine Reaktion zu “Energie erleben zwischen Klingenberg und Tharandt”
  • Von Claudia Weinhold

    Das Hochwasser hat leider auch vor dem Energie-Erlebnispfad nicht halt gemacht: Der beliebte Wanderweg im Rabenauer Grund entlang der Roten Weißeritz ist zerstört - Wege sind zum Teil unterspült und weggerissen.

    Das Landratsamt hat sich deshalb entschlossen, das Waldgebiet der Weißeritzhänge zwischen der Vorsperre der Talsperre Malter und dem Weißeritzpark in Freital bis auf Weiteres zu sperren. Die Gemeinde Tharandt hofft, dass das Kleinbahnfest Mitte Juli stattfinden kann. Ich drücke die Daumen.

    Der Teilabschnitt von Klingenberg nach Tharandt, den Ihnen mein Kollege Martin Waldau hier empfohlen hat, ist jedoch begehbar!

    Unsere Bestandsaufnahme am Energie-Erlebnispfad auf der Strecke zwischen Freital-Cossmansdorf und Malter muss warten, bis der Weg wieder frei gegeben ist. Wir wissen schon, dass es die Schutzhütte an der Arthur-Lohse-Brücke erwischt hat. Wie es um die Erlebnisstationen bestellt ist, konnten wir noch nicht herausfinden. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Antworten

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