Elektroschrott: Zu schade zum Wegwerfen

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Kühlschränke

Weil sie wertvolle Metalle enthalten, lohnt es sich, die alten Kühlschränke zu sammeln und zu verwerten. Foto: pixelio.de/Dieter Schütz

Sie haben fast 20 Jahre zuverlässig ihren Dienst verrichtet. Nun ist das Ende wohl in Sicht. Ersatz zu finden wird nicht schwierig sein.

Doch wie und wo werde ich meine beiden treuen Haushaltshelfer, die alte Waschmaschine und den betagten Kühlschrank, los?

Mit dem Problem bin ich nicht alleine. Schätzungen zufolge fallen in Deutschland jährlich 23 Kilogramm Elektroschrott je Einwohner an. Kleinere Geräte wie Rasierer, Toaster oder Radios landen häufig im Hausmüll.

Dabei sind sie in Zeiten knapper werdender Ressourcen zum Wegwerfen viel zu schade. Laut einer Umweltstudie der Vereinten Nationen lässt sich aus einer Tonne recyceltem Elektroschrott so viel Gold erzeugen wie aus 17 Tonnen Golderz.

Bundesweit gibt es rund 15.000 kommunale Sammelstellen und Recyclinghöfe, in denen sich Altgeräte umsonst entsorgen lassen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden durchschnittlich knapp 780.000 Tonnen Elektroschrott im Jahr gesammelt, davon stammen 723.000 Tonnen aus Privathaushalten. Pro Kopf sind es bisher 8,8 Kilogramm.

Grafik-Mobiltelefon

Künftig sollen Hersteller und Händler stärker in die Pflicht genommen werden. Elektro-Fachgeschäfte mit mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche müssen alte Kühlschränke, Fernseher oder Staubsauger kostenfrei zurücknehmen, wenn der Kunde ein gleichwertiges neues Gerät kauft. Das sieht die Reform des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes vor. Stimmen Bundestag und –rat zu, tritt sie zum Jahresende in Kraft.

Damit wird eine Richtlinie der Europäischen Union umgesetzt. Bis 2016 sollen mindestens 45 Prozent des anfallenden Elektroschrotts erfasst und möglichst wiederverwertet werden, bis 2019 sogar 65 Prozent.
Ziel ist es, wertvolle Metalle wiederzuverwenden, Schadstoffe umweltgerecht zu entsorgen und den illegalen, gesundheitsgefährdenden Export nach Afrika einzudämmen.

Der kostenlose Rücknahmezwang bei Neukauf gilt dann auch für den Online-Handel. Weist das Gerät eine Kantenlänge von bis zu 25 Zentimetern auf – wie bei Handys oder Fernbedienungen – muss ich kein neues erwerben, um das alte abgeben zu können.

Beratung-

Elektromärkte sollen Altgeräte künftig kostenfrei zurücknehmen. Foto: Media Markt

Wie schon beim Grünen Punkt soll die Produktverantwortung der Hersteller wachsen. Der Händler kann die schrottreifen Waschmaschinen, Fernseher oder Computer selbst verwerten, aber auch den Herstellern oder Entsorgungsunternehmen übergeben.

Um das Sammeln kleinerer Geräte zu erleichtern, will Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bundesweit eine Wertstofftonne auf den Weg bringen.

Dass sich aus Elektroschrott neue und individuelle Produkte herstellen lassen, haben längst auch Bastler, Gewerbetreibende und sogar Künstler erkannt. „Upcycling“ – also „Aufwerten“ – heißt dieser Trend.

Wertvolle Edelmetalle finden sich in Schmuck, Lampen oder Möbelstücken wieder. Der US-Amerikaner Gabriel Dishaw ist für seine ausdrucksstarken Skulpturen bekannt.

Und nun zurück zu meiner eingangs gestellten Frage. Mit Hilfe der eSchrott-App zeigt mir mein Smartphone an, wo ich die nächste Sammelstelle für Elektroaltgeräte finde.

Neben dieser Datenbank bietet die App auch eine Funktion, um illegal abgeladenen Elektroschrott melden zu können, sowie Umweltnachrichten. Dafür gab es den “Bundespreis Eco-Design 2014″. Eine nützliche Sache, die ich Ihnen, liebe Leser, nur weiterempfehlen kann.

Veröffentlicht von Sylvia Redlich am 10. Juni 2015 08:34 in Energie, Umwelt

Kommentare

4 Reaktionen zu “Elektroschrott: Zu schade zum Wegwerfen”
  • Von BOGI

    Sehr schön geschrieben, das trifft genau mein Recyclingverhalten. Ist zwar aufwendiger und zeitintensiver, aber ich habe ein gutes Gefühl dabei. Allerdings ist es auch belastend. Dank meines großen Kellers
    kann ich da immer schon etwas zwischenlagern. Gerade vor 10 Tagen war ich beim Wertstoffhof und sehr enttäuscht, dass meinen Drucker nicht einmal die Tschechen haben wollten. Allerdings bestand an dem Sandspielzeug meiner Enkelin, das immer im Kofferraum ist, Interesse.
    Das habe ich natürlich behalten. Schließlich sind darin auch keine Edelmetalle verarbeitet. Antworten

    • Von Sylvia Redlich

      Danke für die lobenden Worte, liebe(r) Bogi, und weiterhin Konsequenz sowie Geduld im Sinne unserer Umwelt. Wie heißt es doch so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein! Beste Grüße

  • Von Marian

    Hallo, zu dem Beitrag passt auch das Angebot des niederländischen Startups "Fairphone". Es bietet ein Smartphone an, das auf Langlebigkeit und Fairness setzt. Eine Alternative zu den üblichen Smartphones, die im Schnitt alle 2 Jahre weggeworfen oder ungenutzt irgendwo rumliegen bleiben, nur weil der Mobilfunkanbieter mir ein Neues verspricht, wenn ich den Vertrag verlängere. Die meisten Geräte funktionieren noch einwandfrei. Leider hat sich auch der Trend vom iPhone durchgesetzt, das die Akkus fest verbaut werden. Ein selbstständiger Akkuwechsel ist damit so gut wie ausgeschlossen. Recyceln ist gut, Produktnutzungszeiten verlängern ist besser. Antworten

  • Von Sylvia Redlich

    Gestern hat der Bundestag das neue Elektrogesetz beschlossen. Danach können Verbraucher Altgeräte kostenlos in größeren Geschäften zurückgeben. Die neuen Regeln sollen ab Anfang 2016 gelten. Antworten

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