Stromproduzenten unter Wasser: Elektrofische

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Fischschwarm

Diese Fische lieben das glasklare Wasser. Andere, wie die Elektrofische, leben im Trüben. Foto: H. Hoppe/pixelio.de

Fische gehören nicht zu meinen Lieblingstieren. Klar, ich sehe mir gern farbenprächtige Filmaufnahmen an. Viel weiter reicht mein Interesse an den Wasserbewohnern aber bisher nicht. Kürzlich jedoch hat ein Bericht in der Kinderzeitschrift Geolino, die mein Sohn mit Begeisterung liest, meine Aufmerksamkeit geweckt. Von Elektrofischen war die Rede. Neugierig fing ich an zu lesen und später im Internet zu recherchieren.

Was sind Elektrofische? Erzeugen sie Strom? Wozu? Und könnten wir Menschen uns diese Energiequelle zu Nutze machen? Das wäre doch die Idee!

Ich bringe in Erfahrung, dass es etwa 550 Fischarten gibt, die in der Lage sind, Stromstöße verschiedener Stärken zu erzeugen. Zitteraal und Zitterrochen kommen mir bekannt vor. Namen wie Elefantenrüsselfisch, Nilhecht oder Südlicher Sterngucker sind neu für mich.

Elektrische Organe aus umgebildeten Muskelzellen sind das Geheimnis der Spannung oder Strom erzeugenden Fische. Die sogenannten Elektrocyten überziehen den Großteil des Fischkörpers und reihen sich unter den Schuppen wie kleine Batterien aneinander. Einzeln erzeugen sie nur eine geringe Spannung. In Summe aber funktionieren sie wie eine Reihenschaltung und können sehr hohe Spannungen freisetzen.

Elektroplax-Rochen

Das elektrische Organ eines Rochens besteht aus mehreren seriell und parallel geschalteten Elektrocyten. Quelle: http://www.as-hu.de/pdfs/Wirbeltiere.pdf, Abbildung: Alexander Graetz

Ich lerne: Bei der Mehrzahl der elektrischen Fische ist diese Spannung eher gering. Und es gibt einen Zusammenhang zwischen ihr und der Größe des Fisches: Je länger der Fisch ist, desto mehr Elektrozellen finden unter seiner Haut Platz. Das erklärt, warum der bis zu drei Meter lange Zitteraal der „stärkste“ Elektrofisch ist. Seine etwa 5.000 bis 6.000 Elektrocyten erzeugen gemeinsam eine Spannung von bis zu 700 Volt – dreimal mehr, als aus der Steckdose kommt!

Warum aber sind die Wasserbewohner so „geladen“? Ein Blick auf ihren Lebensraum beantwortet die Frage: Die meisten von ihnen sind nachtaktiv, bewohnen schlammige Gewässer und haben keine oder verkümmerte Augen. Um sich orientieren, verteidigen und Beute fangen zu können, hat Mutter Natur sie mit diesen speziellen Muskelzellen ausgestattet. Sie verfügen damit über einen 6. Sinn, den „Elektrosinn“.

Schwach elektrische Fische entladen sich kontinuierlich mit ein bis fünf Volt und bauen so ein elektrisches Feld um sich herum auf. Sie nutzen die ausgesandten Impulse, um ihre Umwelt wahrzunehmen und miteinander zu kommunizieren.

Zitteraal

Der Zitteraal ist der stärkste Elektrofisch. Er erzeugt Spannungen bis 700 Volt. Foto: Steven G. Johnson

Bei stark elektrischen Fischen, wie dem Zitteraal, reicht die Spannung aus, um kleinere Fische zu töten und größere Tiere oder Menschen zu betäuben, im schlimmsten Fall gar tödlich zu verletzen. Reagiert der Fisch auf einen äußeren Reiz, führt das zur Entladung der Elektrocyten. Dabei bekommt er selbst einen leichten Schlag. Wirklich gefährlich ist der Stromstoß für ihn aber nicht, denn eine spezielle Haut schützt ihn wie eine Isolierschicht ein Kabel. Nach einem Stromschlag braucht es etwa eine Minute bis die „Batterie“ wieder aufgeladen ist.

Und könnten wir die Stromproduzenten unter Wasser nun zur Stromerzeugung nutzen? Leider nein, wie Prof. Dr. Gerhard von der Emde vom Zoologischen Institut der Universität Bonn in einer Fachzeitschrift nachvollziehbar erklärt: „Während einer Entladung des elektrischen Organs entsteht ein elektrisches Feld im Wasser um den Fischkörper herum, das einerseits die Elektrorezeptoren des Senderfisches stimuliert und auch von anderen elektrischen Fischen in der Umgebung wahrgenommen werden kann. Obwohl die Erzeugung dieser elektrischen Signale von den Tieren Energie erfordert, kann diese nicht von uns Menschen zur Energiegewinnung genutzt werden, da die Stromflüsse im Wasser sehr gering sind und die Energie nicht abgegriffen werden kann.“

Schade. Die Vorstellung, Fische in den Energieträgermix aufzunehmen, fand ich reizvoll. Strom vom Fahrrad klappt auch nicht. Das wissen wir spätestens, seit Gastautor Peter Redlich für uns bei der ARTOUR den Test angetreten hat.

Bleiben wir also vorerst bei Sonne, Wind & Co, um die Energiewende Wirklichkeit werden zu lassen. Oder haben Sie andere originelle Ideen, welche Quellen sich für einen nachhaltigen Energieträgermix anzapfen ließen? Ich bin gespannt!

Veröffentlicht von Claudia Weinhold am 2. Mai 2013 15:19 in Energie, Erneuerbare Energien, Wissen

Kommentare

Eine Reaktion zu “Stromproduzenten unter Wasser: Elektrofische”
  • Von Richard Krampl

    Gute Ideen sind für gewöhnlich nicht originell. Jede Energiequelle hat ihre Vor- und Nachteile. So können Sonne und Wind keinen Spitzenstrom erzeugen. Auch aus Holz, Erdgas und Erdöl lässt sich hervorragend Energie erzeugen. Fossilien sind nämlich biologisch; insofern sind fossile Brennstoffe Bioenergie, nur ohne die eklatanten Nachteile der erneuerbaren Bioenergie. Das entstehende CO2 und H2O sind sowohl für die Natur als auch für das Klima von Vorteil. Auch wenn viele das Gegenteil behaupten.

    Herzliche Grüße,

    Richard Krampl Antworten

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