Dresden-Reick: Energiestandort mit Geschichte

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Luftbild

So sieht der traditionelle Energiestandort in Dresden-Reick aus der Vogelperspektive aus. Foto: Peter Schubert

Erst kürzlich habe ich mit Verwandten das Asisi-Panometer in Dresden-Reick besucht. Das 360-Grad- Panorama, welches Dresden in der Barockzeit zeigt, befindet sich in einem ehemaligen Gasometer.

Dort  fragte mich mein Neffe, was ein Gasometer ist und wozu er gebraucht wird. Ich konnte ihm nur sagen, dass es sich um einen alten Speicher für Stadtgas handelt.

Aber meine Neugier an den geschichtlichen Hintergründen war geweckt und noch am selben Tag begann ich mit der Recherche. Dabei fand ich heraus, dass  Dresden 1828 eine der ersten Städte war, die durch Vergasung von Kohle Stadtgas für die Straßenbeleuchtung erzeugte.

Später wurde das Gas überwiegend für die Wärmeerzeugung genutzt. Aufgrund des immer größer werdenden Gasbedarfs wurde in Reick – damals vor den Toren der Stadt  – eine neue Gasanstalt errichtet. Mittlerweile hat sich der Standort durch kontinuierlichen Ausbau und Investitionen in moderne Technik zum Innovationskraftwerk entwickelt.

1881 nahm das Gaswerk in Reick seinen Betrieb auf. Es war bereits das vierte Werk, das Dresden mit Stadtgas versorgte. 80.000 Kubikmeter Gas strömten täglich durch zwei gusseiserne Hauptrohre ins fast fünf Kilometer entfernte Stadtzentrum. Die ersten beiden Gasspeicher wurden von 1887 bis 1891 errichtet und hatten ein Fassungsvermögen von jeweils 30.000 Kubikmeter.

Panometer

Vom Gasspeicher zum Kunsttempel: Im Panometer präsentiert Yadegar Asisi seine Panoramabilder.

Der von Hans Erlwein entworfene Gasometer – mit einem Speichervolumen von 115.000 Kubikmeter – nahm 1909 seinen Betrieb auf. Zum Vergleich: Ein Standard-Schiffscontainer hat ein Fassungsvermögen von gerade mal 67,5 Kubikmetern. Somit würden mehr als 1.700 Container in einen Gasspeicher passen.

Die Gasversorgung war ein wichtiger Baustein für die Stadtentwicklung. Sie ermöglichte den Einwohnern, auch nach Sonnenuntergang ihrer Arbeit nachzugehen und beförderte den industriellen Fortschritt.

Ab 1923 übernahm das Gaswerk Reick die alleinige Gasversorgung der Stadt Dresden. Trotz des Mangels an Rohstoffen, der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der  schwierigen finanziellen Lage  zu Zeiten der Planwirtschaft in der DDR gelang es, die Gaserzeugung stabil zu halten und sogar auszubauen. Mit Beginn der Ferngasversorgung wurde die Dresdner Gaserzeugung im Mai 1973 eingestellt.

Wärmespeicher

Diese Wärmespeicher enthalten bis zu 130 Grad heißes Wasser.

Bereits 1972 begannen die Bauarbeiten für das Spitzenheizwerk Reick, das vier Jahre später  fertiggestellt wurde. Es versorgte vorwiegend die Dresdner Neubaugebiete Prohlis und Leuben mit Fernwärme. Als Brennstoff sollte Schweröl zum Einsatz kommen.

Da die DDR während der ersten Ölkrise 1973 wirtschaftlich davon profitierte, veredeltes russisches Rohöl in den Westen zu verkaufen, konnte das Kraftwerk nur auf Sparflamme betrieben werden. 1982 erfolgte die Nachrüstung der Dampf- und Heißwassererzeuger mit Stadtgasfeuerung. Mitte der 1990-er Jahre wurde es auf Erdgasfeuerung umgestellt.

Heute erzeugt das moderne Heizkraftwerk, das die DREWAG-Stadtwerke Dresden GmbH betreibt, den Grundlast-Wärmebedarf in umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung. Der Dampf wird in einer Turbine in Elektroenergie umgewandelt. Der Abdampf der Turbine erwärmt das Heizwasser.

Erdgas und leichtes Heizöl dienen als Brennstoff. Die Wärmeleistung des Kraftwerks beträgt 266 Megawatt, die elektrische Leistung zwei Megawatt.

1987 ging der Wärmespeicher in Betrieb. Er besteht aus 40 Behältern mit jeweils 165 Kubikmeter Speichervolumen. Die Wassertemperatur im Speicher wie auch im Fernwärmenetz beträgt bis zu 130 Grad Celsius. Diese hohen Temperaturen sind nur in einem Druckspeicher möglich, da das Wasser bereits bei 100 Grad Celsius verdampfen würde.

Photovoltaik-Anlage

Die Photovoltaik-Anlage besteht aus fast 4.100 Solarmodulen.

Auch das Kraftwerk selbst benötigt für den Betrieb Strom, unter anderem für Pumpen und Steuerungstechnik. Einen Teil dieses Stroms stellt seit 2014 eine Photovoltaikanlage bereit. Die installierte Leistung der 4.080 Solarmodule beträgt 813  Kilowatt.

Weil die Anlage nach Osten und Westen ausgerichtet ist, produzieren die Module gleichmäßig über den Tag Strom – für die Eigenversorgung ein wesentlicher Vorteil. Nach Süden ausgerichtete Anlagen erzeugen im Gegensatz dazu über die Mittagstunden mehr, jedoch vormittags und nachmittags weniger Strom.

Batteriespeicher

DREWAG-Mitarbeiter André Gröser inspiziert vor der offiziellen Einweihung des Speichers den Batterieraum.

Der Batteriespeicher,  der dieses Jahr in Betrieb ging, rundet den innovativen Kraftwerksstandort ab. Er hat eine Speicherkapazität von 2,7 Megawattstunden.

Die Anlage trägt zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und sorgt dafür, dass Wind- und Sonnenstrom sicher in das bestehende Netz integriert werden können.

Dass Dresden-Reick ein gutes Pflaster für energiespezifische Neuerungen ist, hat auch  die Landeshauptstadt Dresden erkannt. Sie will mit dem Projekt „Wissenschaftsstandort Dresden-Ost“ einen energieeffizienten und ressourcenschonenden Forschungs- und Innovationsstandort entwickeln.

Zu den Schwerpunkten des Energiekonzeptes zählen die Niedrigtemperatur-Nahwärmeversorgung für Gebäude und Prozesse, die Sicherung der Stromqualität durch eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Erste Ansiedlungen sind für das Jahr 2017 geplant.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – ich jedenfalls werde in den nächsten Jahren aufmerksam verfolgen, wie es in Reick weitergeht. Nicht zuletzt, damit ich die Fragen meines Neffen das nächste Mal besser beantworten kann. ;-)

Veröffentlicht von Katja Weinhold am 26. August 2015 15:09 in Energie, Erneuerbare Energien

Kommentare

Eine Reaktion zu “Dresden-Reick: Energiestandort mit Geschichte”
  • Von Ruth Gerlach

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    seit meinem Besuch im Gaswerk Reick bewegt mich die Frage, wie es möglich ist, dass u. A. ein seit 1881 in Betrieb, mit einem 1909 von Hans Erlwein entworfenem Gasometer mit (damals schon) einem SPEICHERvolumen von 115.000 Kubikmeter seinen Betrieb auf nahm, ja selbst zu DDR-Zeiten nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, trotz des Mangels an Rohstoffen und der schwierigen finanziellen Lage, als es zu Zeiten der Planwirtschaft in der DDR trotzdem gelang, die Gaserzeugung stabil zu halten und sogar auszubauen, heute neben vielen anderen Betrieben wie z. B. auch EgGü, so kaltschnäuzig und Wohnblocks einfach zu Ruinen machen und wegbaggern? Es ist ein Armutszeichen des Kapitalismus und empört mich, wie viel Nichtachtung diesen Werken im doppelten Sinne des Wortes heute noch entgegen gebracht wird. Für damalige Zeiten so erstaunliche Leistungen, als schon „Ein Standard-Schiffscontainer ein Fassungsvermögen von gerade mal 67,5 Kubikmetern hatte“, unter kapitalistischen Bedingungen wieder zu Ruinen – wie nach dem Krieg - verkommen? „Somit würden mehr als 1.700 Container in einen Gasspeicher passen“, aber man lässt es heute verkommen. Aber klar, was soll man auch halten von einer „Regierung, die die Solarförderung kurzerhand kürzt und die garantierten Abnahmepreise für Solarstrom senkt“. Ist es nicht dasselbe, was den Milchbauern heutzutage angetan wird? Diese Werke haben Hochachtung statt Wegbaggern verdient. Aber heute ist man zu derart großartigen Leistungen noch zur Ergänzung durch heutigen Fortschritt weder fähig noch willig. An ihren Bauten wird man sie erkennen! Auch die heutigen schuhkartonähnlichen Wohnblocks reichen nicht im Entferntesten an die beachtliche, bewunderns- werte Baukultur vergangener Zeiten ohne Bagger und Kräne usw. heran.

    Ich erinnere mich noch, wie mein Vater vor Begeisterung im Viereck sprang, als nach dem Krieg nach den Gaslaternen und Gasherden auch noch die GasBELEUCHTUNG über dem Herd wieder leuchtete, als er abends vom Dienst heim kam - nach Gruna, Heynahtsstraße. Das war genau so ein Ereignis wie die Wiedereröffnung des Luisenhofs oder die Fertigstellung des Fernsehturms. Heute in Zeiten reichlich vorhandener Freizeit, jedoch in Ermangelung des erforderlichen Kleingeldes nach erfolgreicher Einführung von Arbeits- und Obdachlosigkeit einfach mal zu dichtgemacht und weiträumig abgesperrt.
    So was wird heute alles runter gefahren, vernichtet, zerfallen gelassen wie nach dem Krieg – es sei denn man kann Luxus-Eigentumswohnungen daraus machen.

    Ich jedenfalls danke und bewundere die Mitarbeiter der DREWAG f
    für die bisherige Versorgung und wünsche Ideen zur Speicherung der erneuerbaren Energien – zu unserem und dem Wohle der Natur

    Mit freundlichen Grüßen
    R. Gerlach Antworten

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