Bulb Fiction: Dieser Film bringt kein Licht ins Dunkel

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Foto: w.r.wagner / www.pixelio.de

Selten komme ich so nachdenklich aus einem Kinofilm wie an diesem Nachmittag. Die Dokumentation „Bulb Fiction“ nimmt das Verbot der Glühlampe zum Anlass, um sich kritisch mit deren Nachfolgerin, der Energiesparlampe, auseinander zu setzen.

Am 17. Februar 2009 hat die Europäische Union das Ende der Glühlampe und zugleich den Umstieg auf effizientere Sparlampen beschlossen. Deshalb werden ab 1. September 2012 keine Glühlampen mehr im Handel erhältlich sein. Stattdessen finden wir – als derzeit preiswerteste Alternative – Energiesparlampen in den Regalen. Die EU hat die Entscheidung vor dem Hintergrund gefällt, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu senken.

Jetzt, da ich den Film gesehen habe, frage ich mich, wie umweltfreundlich und energiesparend die so genannten Kompaktleuchtstofflampen tatsächlich sind. Denn der Macher des Films, Christoph Mayr, lässt sie in keinem guten Licht erscheinen.

Quecksilber schadet Gesundheit und Umwelt

Energiesparlampen enthalten Quecksilber. Dass Quecksilber giftig ist, weiß ich. Dass Energiesparlampen deshalb eine ernst zu nehmende Gefahr für unsere Gesundheit und die Umwelt darstellen, macht mir der Film bewusst. Zerbricht eine Energiesparlampe, die in Betrieb war, verdampft Quecksilber – für uns nicht sichtbar. Wer es einatmet, muss mit Nerven- und Organschäden rechnen. Wenn ich dem Film glauben darf, gibt es zwar einen Grenzwert (5 Milligramm pro Lampe) für den Anteil an Quecksilber. Die Messmethoden sind aber ungenau und werden nicht durch eine Behörde überwacht.

Laut einer Studie, die die EU in Auftrag gegeben hat, wird derzeit nur etwa jede Fünfte Energiesparlampe ordnungsgemäß entsorgt. Der Großteil landet im Hausmüll und die Gefahr besteht, dass unser Trinkwasser und der Boden verunreinigt werden. Zudem gibt es laut Aussage des Filmemachers – genau wie für Atommüll – derzeit kein Endlager für Energiesparlampen. Bisher werden sie unter Tage zwischengelagert. Diese Fakten finde ich beunruhigend.

Höherer Energiebedarf bei Herstellung, aber sparsamer im Verbrauch

Die Bezeichnung „Energiesparlampe“ ist seit 2010 solchen Leuchten vorbehalten, die um mindestens 75 Prozent sparsamer sind als eine Glühlampe. Hier will der Film einen weiteren Widerspruch aufgedeckt haben. Denn bei der Produktion einer Energiesparlampe wird etwa zwölfmal so viel Energie aufgewendet wie bei einer Glühlampe. An Stelle von einem sind es 12 Megajoule Primärenergie. Das zeige eine Studie der EU-Kommission aus dem Jahr 2008.

Eine Tatsache bleibt im Film aber komplett außen vor: Energiesparlampen sind effizienter und verbrauchen bei gleicher Leistung deutlich weniger Strom als Glühlampen. Laut einer Veröffentlichung der DPG (Deutsche Physikalischen Gesellschaft) werden über 90 Prozent der Umweltbelastung durch Lampen während ihrer Nutzung verursacht. Damit fällt die Gesamtenergiebilanz deutlich zu Gunsten der Energiesparlampe aus. Ich selbst habe im Frühjahr nachgerechnet und war überrascht, wie hoch die Kostenersparnis sein kann, wenn ich meinen Haushalt komplett auf Energiesparlampen umrüste. Mehr dazu in meinem Blog-Beitrag „Lampentausch – Lohnt sich das?“.

Mein Fazit: Einseitige Betrachtung

Die Argumente des Films gegen die Energiesparlampe wiegen schwer. Für mich ist die Betrachtung aber einseitig. Alle Experten, die zu Wort kommen, sind nach meiner Einschätzung bekennende Gegner der Energiesparlampe. Und warum räumt der Regisseur gängigen Alternativen wie beispielsweise LEDs in seinem Film keinen Platz ein? Noch sind sie sehr teuer in der Anschaffung. In dem Maße, wie die Entwicklungen voranschreiten, werden die Preise auf ein akzeptables Niveau sinken. Davon bin ich überzeugt. Schon heute argumentieren Lampenhersteller, dass sich der Kauf mit Blick auf die hohe Lebensdauer rentiert.

Die Energiesparlampe ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Aus meiner Sicht macht die Suche nach Alternativen, um CO2 und Energie einzusparen, aber Sinn. Wir als Verbraucher sollten auf ordnungsgemäße Nutzung und die korrekte Entsorgung achten: Energiesparlampen gehören in den Sondermüll. Außerdem kann jeder für sich die verfügbaren Alternativen prüfen – neben den Energiesparlampen sind das derzeit Halogenlampen oder auch die erwähnten LEDs.

Diese Infografik gibt Ihnen schnell einen guten Überblick zur Wahl des passenden Leuchtmittels:

Quelle: obs/Redaktionsbüro Lichtzeichen

Wenn Sie an einem ausführlicheren Vergleich interessiert sind, ist vielleicht dieser Link hilfreich für Sie. Auf der Webseite werden Glüh-, Energiesparlampe sowie LED-Leuchte mit ihren Vor- und Nachteilen genauer beschrieben.

Wie sehen Sie das? Kennen Sie den Film? Wie schwer wiegen für Sie die Argumente für bzw. gegen die Energiesparlampe? Schreiben Sie mir!

Veröffentlicht von Claudia Weinhold am 1. August 2012 15:38 in Energie, Spartipps, Wissen

Kommentare

2 Reaktionen zu “Bulb Fiction: Dieser Film bringt kein Licht ins Dunkel”
  • Von Sylvia Redlich

    Hallo, auch die Deutsche Umwelthilfe e.V. weint der Glühlampe keine Träne nach. Die Organisation hält die Energiesparlampe für eine Übergangstechnologie und sieht LED-Lampen als Leuchtmittel der Zukunft. Hier geht es zur Presseinfo zu diesem Thema. Beste Grüße! Antworten

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