Brandübungscontainer: Feuer auf Knopfdruck

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Brandübungsanlage

Der “Feuerdrache” auf dem Hof der Freiwilligen Feuerwehr in Pirna.

Schon aus einiger Entfernung sehe ich den Qualm, der vom Hof der Freiwilligen Feuerwehr in Pirna aufsteigt. Der Kampf gegen den Feuerdrachen hat für die Kameraden offenbar bereits begonnen.

„Fire Dragon“ – Feuerdrache, so heißt die mobile Brandübungsanlage, welche die ENSO NETZ GmbH den Feuerwehren der Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge seit 2009 jährlich für Trainingszwecke zur Verfügung stellt.

Und tatsächlich flößt mir die 40 Quadratmeter große gasbefeuerte Anlage der Spezialfirma Dräger einen gewissen Respekt ein, als ich vor ihr stehe, es aus ihrem Inneren zischt und qualmt.

Auch Tim und Florian haben ein mulmiges Gefühl, das sehe ich ihnen an. Die beiden 19- und 20-jährigen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bannewitz sind die nächsten, die im Bauch des Ungetüms gegen die Flammen kämpfen sollen.

Ob sie denn wüssten, was sie darin erwartet, möchte ich von ihnen wissen. Kopfschütteln. Sie machen diese Übung, die für Atemschutzgeräteträger vorgeschrieben ist, zum ersten Mal.

Florian (l.) und Tim bereiten ihre Ausrüstung vor

Für Florian (l.) und Tim wird es ernst: Ausrüstung vorbereiten…

Tim (l.) und Florian vor dem Brandübungscontainer

… anlegen …

Florian (l.) und Tim auf dem Dach des Containers, kurz vor ihrem Einstieg.

… und los!



Während die beiden die Schutzausrüstung anlegen und ihre Masken aufsetzen, erklärt mir Herbert Förster, Mitarbeiter der Firma Dräger, das Innenleben der Metallbox. Seit acht Jahren fährt er den LKW durch Europa und bedient die hochmoderne Anlage, die den Feuerwehren eine realitätsnahe Ausbildung unter kontrollierten Bedingungen ermöglicht.

Von ihm erfahre ich, dass im Feuerdrachen verschiedene Bereich wie eine Küche, ein Wohnzimmer oder ein Treppenaufgang auf die Feuerwehrmänner warten.

Mit Hilfe von insgesamt neun Brennstellen, die er per Fernbedienung einzeln steuert, kann Herbert Förster darin verschiedene Brandarten simulieren, darunter einen Küchenbrand mit Fettexplosion oder Wohnungsbrand mit Rauchgasentzündung. Jeder dieser Brandherde muss von den Feuerwehrleuten auf eine andere Art gelöscht werden.

Neu ist die Nachbildung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Da diese auf immer mehr Häusern zu finden ist, wurde sie in den Übungscontainer integriert. Das elektronische Bauteil müsse mit besonderer Vorsicht gelöscht werden, sonst drohen Stromschläge, erklärt er mir.

Auf dem Dach haben mittlerweile auch Florian und Tim Stellung bezogen. Dort befindet sich der Einstieg in den Container. Sie bekommen noch eine kurze Einweisung von Kreisbrandmeister Udo Müller, der sie über die verschiedenen Brandsituationen im Inneren aufklärt. Das ist nötig, denn die simulierten Räume sehen natürlich nicht aus, wie in einer möblierten Wohnung.

Dann wird es für die beiden ernst. Mit einem wassergefüllten Schlauch bewaffnet, stoßen sie die Tür in die Test-Feuerhölle auf. Ihr Weg führt sie die Treppe hinunter zum ersten Brandherd. Herbert Förster und ich beobachten ihr Vordringen aus dem klimatisierten Beobachtungsstand im Inneren des Containers. Immer, wenn die beiden beim Löschen einen Fehler machen, entfacht er die Flammen neu.

Innerhalb kürzester Zeit ist alles voller Rauchschwaden. Flammen schnellen blitzartig mit Hitzewellen von bis zu 800 Grad Celsius aus allen Winkeln hervor. Dazu die beklemmende Enge und die Dunkelheit. Selbst für erfahrene Feuerwehrleute ist das eine echte Herausforderung.

Herbert Förster mit steuert mit seiner Fernbedienung die Flammen.

Mit seiner Fernbedienung steuert Herbert Förster unter anderem…

Tim (l.) und Florian löschen eine Rauchgasentzündung an der Zimmerdecke

…die Rauchgasentzündung im Inneren des Containers…

Photovoltaikanlagen-Brand auf dem Dach des Containers.

…und den Photovoltaikanlagen-Brand auf dem Dach.



Die Übung dauert insgesamt kaum länger als fünf Minuten. Auf dem Rückweg über die Treppe nach draußen unterläuft den beiden ein Fehler, den Herbert Förster sofort bemerkt. „Sie müssen das Strahlrohr an denjenigen übergeben, der die Brandstelle als letztes verlässt“, erklärt er mir. Falls sich ein Brandherd erneut entzündet und den letzten Kameraden auf dem Rückweg von den anderen abschneidet, wäre er den Flammen ohne Wasser schutzlos ausgeliefert.

Das wissen auch Tim und Florian. Doch die gelernte Theorie in dieser Stresssituation umzusetzen, fällt nicht nur den beiden schwer. Herbert Förster erinnert sie daran, in dem er das Feuer auf der Treppe erneut entfacht, als sie sie erklimmen.

Wieder draußen streifen sich beide die Atemschutzmasken ab – nassgeschwitzt und mit feuerroten Köpfen. Auf meine Frage, wie es denn war, schnaufen sie mir nur ein „Heiß!“ entgegen. Zu mehr reicht die Puste nicht. Die beiden möchten in diesem Moment nur eins: etwas trinken und verschnaufen.

Nach dem Containergang folgt für die Brandbekämpfer die Manöverkritik durch Kreisbrandmeister Udo Müller. Obwohl den beiden die Anstrengung noch ins Gesicht geschrieben steht, hören sie genau hin. Sie wissen, im Ernstfall können diese Details entscheidend sein. Doch sie haben die Sache insgesamt gut gemeistert. Nur etwas weniger Wasser hätten sie verbrauchen können.

Löschzug in Pirna

Feuerwehrmannschaften aus dem gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge reisen zur Übung in Pirna an.

„Weniger Wasser?“, wundere ich mich. „Aus einem Liter können bis zu 1.700 Liter Wasserdampf entstehen“, klärt mich Udo Müller auf. Das ist der wahre Feind, denn er durchdringt die Hitzeschutzkleidung der Kameraden. Die Folge: Es wird heiß.

Doch bei aller Realitätsnähe, gefährlich ist das Training nicht, versichert mir Herbert Förster. Denn im Notfall kann er die Anlage auf Knopfdruck blitzschnell kaltstellen. Im realen Leben geht das leider nicht.

Umso wichtiger ist es für die Kameraden, das Löschen verschiedener Brandherde – vom elektronischen Bauteil bis zur Gasleitung – regelmäßig zu üben. Im Ernstfall profitiert davon auch die ENSO NETZ GmbH als Strom- und Gasnetzbetreiber.

Veröffentlicht von Matthias Queitsch am 9. Oktober 2015 10:23 in Energie, Wissen

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