Biomethananlage Zittau: Kombilogistik für noch mehr Effizienz

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Biomethananlage Zittau

Fermenter und Gärrestlager in Zittau

Letztes Wochenende habe ich mit meiner Familie das schöne Wetter für einen Herbstspaziergang genutzt. Ungefähr einen Kilometer von unserem Haus entfernt befindet sich eine Biogasanlage. Schon von weitem sehen wir sie.

Meine Kinder wollen wissen, was es mit diesem Gebäude auf sich hat. So erkläre ich ihnen, wie aus Gülle, Gras und Mais Strom entsteht. Dass ich das kann, hat mit meinen beruflichen Aufgaben auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien zu tun.

Vor etwa fünf Jahren entschieden sich die Stadtwerke Zittau und ENSO, gemeinsam eine Biomethananlage in Zittau zu errichten. Hier wird das produzierte Biogas noch zu Biomethan aufbereitet. Das Oberlausitz TV sendete den folgenden Beitrag:

Mein Kollege Wolfram Sinnecker berichtete am 25.04.2012 in seinem Blog-Beitrag über die Fertigstellung der Anlage. Durchschnittlich vier Zittauer Kollegen sorgen dafür, dass sie störungsfrei funktioniert. Mittlerweile ist sie seit über einem Jahr in Betrieb – Zeit also, eine erste Bilanz zu ziehen.

Wie bei vielen großen Anlagen müssen sich verschiedene Prozesse erst einspielen. In Zittau ist dies hervorragend gelungen. Die Ziele, die wir uns bei der Projektentwicklung stellten, haben wir weitestgehend erreicht.

Radlader

Ein Radlader transportiert die Silage in die Dosieranlage.

Aus rund. 34.000 Tonnen nachwachsender Rohstoffe – überwiegend Mais, aber auch Gras und Ganzpflanzensilage - konnten wir im ersten Jahr rund 4.220.000 Kubikmeter Biomethan mit einem Energiegehalt von 45.458.000 Kilowattstunden gewinnen. Übrig blieben zirka 23.200 Tonnen an Gärresten.

Nun wollen wir die einzelnen Prozesse optimieren und weiterentwickeln. Ein Schwerpunkt ist es dabei, das Stoffstrommanagement – also den Anbau, die Anlieferung der nachwachsenden Rohstoffe und den Abtransport der Gärreste – zu verbessern. Die Kombilogistik ermöglicht es, zukünftig nur noch die Hälfte der Transportstrecke zurückzulegen.

Ein und dasselbe Fahrzeug liefert feste nachwachsende Rohstoffe für die Anlage an und transportiert auf dem Rückweg flüssige Gärreste ab. Dafür haben wir einen Zwischenspeicher gebaut, in dem wir die Gärreste zeitweise lagern können. Leerfahrten gehören damit der Vergangenheit an.

Gärmesse

Bakterien verwandeln die Silage in diese zwar unansehnliche, aber gehaltvolle Masse.

Zukünftig soll sich der Stromverbrauch der Anlage verringern, zum Beispiel durch den effizienteren Einsatz von Rührwerken.

Diese durchmischen den Inhalt der Fermenter, damit zum Beispiel die methanbildenden Bakterien auch besser zu ihrem „Futter“ (hauptsächlich Kohlenstoff und Wasserstoff) gelangen.

Die Rührwerke könnten zwar ständig in Betrieb sein. Das kostet jedoch sehr viel Strom. Deshalb arbeiten sie nur in bestimmten Intervallen. Wie lang die Rührphasen und die Pausen sind, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Fließfähigkeit beziehungsweise Zähflüssigkeit (Viskosität) des Fermenterinhaltes ab.

Mitarbeiter

Jens Mittenzwei und Klaus-Peter Meier entnehmen eine Probe zur Abwasseranalyse.

Derzeit prüfen meine Zittauer Kollegen die Zugabe von sogenannten Zusatz- und Hilfsstoffen. Da die Bakterien nicht nur Kohlenstoff und Wasserstoff benötigen, lässt sich die Gasbildung durch den Einsatz von Spurenelementen wie Nickel, Kupfer oder Zink – um nur einige zu nennen – verbessern.

Ich bin zuversichtlich, dass die Wissenschaftler in den nächsten Jahren weitere Ansätze finden, die die Biogasproduktion noch effektiver werden lassen.

Veröffentlicht von Katja Weinhold am 28. Oktober 2013 11:27 in Energie, Erneuerbare Energien

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