Biogasanlage in Zittau geht ans Erdgasnetz

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Die vier Hauptkörper der Biogasanlage.

Anfang Mai nehmen ENSO und die Stadtwerke Zittau ihre gemeinsame Biogasanlage im Rahmen einer Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen der Stadtwerke in Betrieb. In 3 ½ Jahren intensiver Arbeit, die ich als Mitarbeiter der Abteilung „Neue Energien“ miterleben konnte, haben wir die Anlage geplant und gebaut.

Beachtliche Ausmaße

Hinter einer Baumreihe verstecken sie sich – die vier weißen Betonbehälter mit dem grünen spitzen Dach. Die Rede ist von den Hauptkörpern – Fermenter I und II, Nachgärer und Gärproduktlager der Biogasanlage. Erst aus der Nähe sind die wahren Dimensionen zu erkennen. So haben die beiden Fermenter und der Nachgärer, Kernstück der Biogaserzeugung, jeweils einen Durchmesser von 26 Metern, eine Gesamthöhe von 15,5 Metern und fassen ein Volumen von 4.000 Kubikmetern. Das Gärproduktlager ist mit einem Durchmesser von 30 m und einer Höhe von insgesamt 19 m größter Bestandteil in dem Viererverbund.

Durch Fermentation – den Gärungsprozess – erzeugen Bakterien in den drei Betonbehältern aus Maissilage ein Gasgemisch. Dieses besteht aus den Hauptkomponenten Methan und Kohlendioxid sowie Spuren anderer chemischer Elemente. Das Biogas wird auf Erdgasqualität gebracht und ins Erdgasnetz eingespeist.

Wie eine Biogasanlage funktioniert und aus Biomasse Strom und Wärme gewonnen wird, erfahren Sie in diesem Video.

Länderübergreifende Kooperation

Das Biogas entsteht aus Mais, Gras und anderen Grünpflanzen. Die Substrate bauen polnische Landwirte in der grenznahen Region an. Schon vor zwei Jahren haben wir diese Kooperation besiegelt und die Rohstofflieferung über die Landesgrenzen hinaus langfristig abgesichert. Zum einen fördern wir damit die deutsch-polnische Zusammenarbeit und stärken die Wirtschaft. Zum anderen helfen wir mit, ehemals brach liegende landwirtschaftliche Flächen wieder zu bewirtschaften.

Gasaufbereitungsanlage

Insgesamt hat die Anlage einen Jahresbedarf von zirka 41.000 Tonnen Substrat. Damit können etwa 550 Kubikmeter Biomethan pro Stunde erzeugt werden. Zu Ihrer besseren Vorstellung: Diese Menge würde bei Einspeisung in ein Blockheizkraftwerk ausreichen, um rund 5.500 Vier-Personen-Haushalte mit Strom und etwa 1.000 Einfamilienhäuser mit Wärme zu versorgen. In den Sommermonaten könnte damit der Gasbedarf der Stadt Zittau gedeckt werden.

Teil der Energiewende

Mit dieser Anlage gestalten die Stadtwerke Zittau und wir die Energiewende, hin zu erneuerbaren Energien, mit. Biomasse hat gegenüber Photovoltaik und Windkraft den Vorteil, dass sie praktisch immer verfügbar und im Gasnetz ein Speicher für diese Energieform vorhanden ist. Die flüssigen und festen Gärreste (zirka 30.000 Tonnen pro Jahr) gehen zurück an die Landwirte. Diese nutzen sie als Dünger für ihre Felder, womit der Stoffkreislauf geschlossen ist.

Veröffentlicht von Wolfram Sinnecker am 25. April 2012 15:33 in Energie, Erneuerbare Energien

Kommentare

2 Reaktionen zu “Biogasanlage in Zittau geht ans Erdgasnetz”
  • Von Böttger

    Auf Grund der längeren Laufzeiten während der Heizung und einer
    gefühlten weniger entwickelten Temperatur stelle ich an die Stadt-
    werke die Frage zur Verwendung des Bio-Gases. Die Antwort der
    Stadtwerke Zittau war, dass das Bio-Gas ausschließlich für die
    Stromerzeugung verwendet wird, Nun stieß ich aber auf Ihren Artikel vom April 2012 und musste feststellen, dass ich eklatant belogen wurde. Warum wurde ich belogen ist meine Frage. Antworten

  • Von Matthias Queitsch

    Hallo Böttger,

    ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr.

    Wolfram Sinnecker ist nicht mehr als Blogger aktiv, deshalb habe ich mich für Sie bei meinen Fachkollegen schlau gemacht. Das Biogas aus der Biogasanlage Zittau wird mit der Erdgasqualität in das Gasnetz eingespeist und an Gaskunden geliefert. Ich hoffe, Ihre Frage ist damit beantwortet. Antworten

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