Berufsorientierung: Typisch Mädchen – typisch Jungen!

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Ariane Zscheyge

Ariane Zscheyge ermutigt Ihre Schüler/innen regelmäßig zur Teilnahme am “Girls’ and Boys’ Day”.

Als Klassenlehrerin einer 7. Klasse der BEST-Sabel-Oberschule in Freital bin ich daran interessiert, meine „Zöglinge“ bereits ei­nige Zeit vor dem Schulabschluss für das Thema Berufswahl zu sensibilisieren. Weiß ich doch nur zu gut aus eigener Er­fahrung, wie schwer es ist, sich für einen Beruf und dann noch für “den richtigen” zu entscheiden…

Der „Girls‘ and Boys‘ Day” am 27. März 2014 ist deshalb ein tolles Angebot für Schülerinnen und Schüler. In Partnerunternehmen haben sie an diesem Tag die Möglichkeit, Berufe kennenzulernen, die für ihr Geschlecht eher untypisch sind.

Die Schüler verlassen unsere Schule ge­wöhnlich mit der mittleren Reife nach der 10. Klasse. In der 8. und 9. Klasse stehen üblicherweise zweiwöchige Praktika an. Die allgemeine Denke, dass Mädchen wie Jungs dabei zunächst erst einmal geschlechtstypische Berufe bevorzugen, kann ich bestätigen.

So kommt der “Girls’ und Boys’ Day” mit seiner Idee, die Mäd­chen für typisch männliche und die Jungen für typisch weibli­che Berufe zu begeistern, gerade richtig.

Können Sie sich vorstellen, wie ich als Ausübende eines frau­endominierenden Berufs mit geisteswissenschaftlicher  Fä­cherkombi (Deutsch/Ethik) den “Girls’ und Boys’ Day” ankün­digte und davon plauderte, wie interessant doch beispiels­weise der Beruf eines Elektronikers für Mädchen sein kann?

Richtig abgenommen hat mir das höchstwahrscheinlich kei­ner. Umso froher bin ich, dass diese Aufgabe während des Berufsorientierungstages Jahr für Jahr professionelle Leute aus den Partnerunternehmen übernehmen.

Girls' Day bei der ENSO

Kasandra Baerisch (l.) und Lisa Gedlich verdrahten eine Aufputzinstallation.

Der Jubel über eine verbindliche Teilnahme am “Girls’ und Boys’ Day” fiel bei den Schülern zunächst verhalten aus. Sie waren verunsichert, da sie nicht wussten, inwieweit sie ihre Teilnahme selbst organisieren müssen oder dabei Unterstützung erhalten.

Doch eine Nacht darüber geschlafen und mit den Eltern gesprochen, waren sie zuversichtlicher und erkannten die Chance dieser praktischen Erfahrung.

Die Herren der Schöpfung zeigten eindeutig schneller Bereitschaft, sich in Berufen wie Erzieher oder Kaufmann im Einzelhandel auszuprobieren. Zwei meiner sechs Mädchen witterten ihre Chance auf einen neuen Freund in der Automobilbranche und verkündeten mir am nächsten Schultag, sich erfolgreich bei einem Unternehmen angemeldet zu haben.

Mit zwei Mädchen, die keinen eigenen Privatinternetanschluss besitzen, fand ich mich nachmittags vor dem PC im Lehrer­zimmer wieder und wir suchten gemeinsam einen ge­eigneten Betrieb aus. Die für sie wichtigen Randbe­dingungen (Nähe zum Hauptbahnhof Dresden + großes Unternehmen) erfüllte ENSO dabei zu 100 Prozent.

Beiden war nach der erfolgreichen Anmeldung sichtlich ein Stein vom Herzen gefallen, aber im Kopf kreisten noch 1000 Fragezeichen. Wie komme ich dort hin? Was kommt an diesem Tag auf mich zu? Werden noch andere Schüler da sein oder bin ich auf mich alleine gestellt? Wer ist für mich zuständig?

Vielleicht konnte ich ihnen etwas die Angst nehmen, als ich davon berichtete, einige Leute zu ken­nen, die bei dem Unternehmen arbeiten. Von der ENSO hatten beide zuvor noch nie etwas gehört. Jetzt wissen sie, dass sie sich ohne den Energieversorger morgens nicht die Haare föhnen könnten…

Bei unserem Wiedersehen in der Schule am nächsten Tag werteten wir in der Klasse den “Girls’ und Boys’ Day” aus. Dabei hatten die Schüler durchweg positive Erfahrungen gesammelt, von denen sie ihren Mitschülern und mir unbedingt berichten wollten.

Girls' Day bei ENSO

Von wegen Männersache: ENSO-Azubis Albert Dschurun (l.) und Bruno Bötig sind beeindruckt, wie souverän die Mädchen das Endstück auf ein Kabel schrumpfen.

Auch “meine zwei ENSO-Mädchen” waren nicht nur von der hervorragenden Betreuung vor Ort begeistert, sondern auch von den Möglichkeiten, vieles rund um die Berufe auszuprobieren.

Sie fühlten sich in dem Unternehmen willkommen und ernst genommen. Das führte sogar dazu, dass sie ein Schulpraktikum für Klasse 8 ansprachen.

Eins der Mädchen kann sich vorstellen, einen typischen Jungenberuf in der Energie- und Elektrobranche zu erlernen – wenn sie “nicht zwingend immer auf einen hohen Mast müsse”. Sie möchte aber ihre Höhenangst unbedingt überwinden und hat sich vorgenommen, dies gleich mit einem Besuch im Kletterpark anzugehen.

Mir bleibt nur noch den verantwortlichen Mitarbeitern der ENSO für die reibungslose Planung und Durchführung des Girls’ und Boys’ Day und die optimale Motivation der Schülerinnen zu danken.

Veröffentlicht von Gastautor am 3. April 2014 10:37 in Karriere

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