Ausstellungstipp: COOL X – Energie in einer digitalen Welt

  • Beitrag abonnieren
  • Beitrag empfehlen 5
  • 0
Schülerinnen

Drei Schülerinnen testen: Was verbraucht weniger Energie – ein herkömmliches oder ein modernes OLED-Display? Foto: Technische Sammlungen Dresden

„Die Zahl der Handybesitzer übersteigt schätzungsweise bereits jetzt die Anzahl der Menschen, die über eine Zahnbürste verfügen.“ Mich hat dieser Satz, der mir bei meinem Besuch der Ausstellung „COOL X – Energie in einer digitalen Welt“ begegnet, verblüfft. Geht es Ihnen auch so?

In den Technischen Sammlungen Dresden gibt es seit Anfang März einen neuen Ausstellungsbereich: Auf 440 Quadratmetern werden Besucher in die Mikro- und Nanoelektronik eingeführt. Von einer Zeitreise in die energetische Vergangenheit von Computern und Mobiltelefonen geht es in die Welt der Forschung.

COOL X hat neben dem Zahnbürstenvergleich noch mehr Erstaunliches parat: Angeblich steigt der Stromverbrauch von Elektrogeräten immer weiter. Wie kann das sein? Die moderne Technik wird doch immer effizienter?! Aber, so erfahre ich, die steigende Nachfrage nach technischen Neuheiten und die zunehmende Funktionalität der Geräte heben die Effizienzsteigerung größtenteils wieder auf.

Das bringt mich zum Nachdenken. Wie löst man diesen Widerspruch? Das ist eine der Fragen, an denen das Spitzencluster Cool Silicon forscht. Ihm gehören über 60 Partner aus Industrie, Wissenschaft und Forschung in Sachsen an. Sie geben in der Ausstellung Einblick in ihre Arbeit und stellen einige Lösungsansätze vor. Das ist viel spannender, als es auf’s erste Lesen klingen mag. Denn die Schau lädt zum interaktiven Erleben ein: An zahlreichen Experimentierstationen ist Mitdenken und Tüfteln gefragt.

Spiegelkabinett

Das Spiegelkabinett vermittelt einen Eindruck davon, wie sich Elektronen in einem Chip bewegen.

Los geht’s im Spiegelkabinett. Dort bekomme ich eine Vorstellung, wie es im Inneren eines Chips aussieht, in dem Elektronen durch kristalline Gänge geleitet werden. Um ein Vielfaches vergrößert, stelle ich ein Elementarteilchen dar, laufe durch verspiegelte Gänge und gelange in den Hauptteil der Ausstellung.

Erste Experimentierstation ist eine Kugelbahn. An ihr soll ich herausfinden, worin der Unterschied zwischen den vier wichtigsten elektrischen Bauelementen besteht.

Mein letzter Physikunterricht liegt ein paar Jahre zurück. Schaden kann das Experiment also sicher nicht. Golfbälle stellen die elektrische Ladung dar. Ich starte den Kurbelvorgang, bei dem die Bälle in der Bahn aufsteigen. Bei ihrem Abgang werden einige kurzzeitig gestoppt oder langsamer, an anderer Stelle können sie nur in eine Richtung nach unten gelangen.

Kugelbahn

Die Kugelbahn erinnert an ein Ziehungsgerät für Lottozahlen, veranschaulicht aber die Vorgänge auf einem Chip.

Okay, die Unterschiede zwischen Widerstand, Diode, Kondensator oder Transistor habe ich wieder parat ;-). Dass diese Vorgänge in kürzester Zeit tausendfach auf einem Chip stattfinden, ist für mich schwer vorstellbar.

Umso beeindruckender, dass die Forschung daran arbeitet, die Chipstrukturen noch weiter zu verkleinern. Wahnsinn! Aber wichtig, damit Computer und Telefone noch leistungsfähiger und zugleich energiesparender werden.

Ein Exponat mit dem Namen „Hilferuf eines Windflügels“ hat mich an meine ENSO-Kollegen erinnert, die sich mit Windenergieprojekten beschäftigen. Ausgestellt ist ein Windradflügel, in dessen Inneren ich eingebaute Sensoren entdecke. In der Realität erkennen sie Geräusche im Ultraschallbereich, die beim Reißen der Materialfasern entstehen.

Diese Risse in der Oberfläche simuliere ich, indem ich mit einem Metallstab an die Außenseite des Rotorblattes schlage. Kurz darauf ist auf einem Monitor der Ort des Einschlages zu sehen. Im Ernstfall würde jetzt der Betreiber des Windrads über den Schaden informiert. Toll!

Die Forschung setzt nach meinem Eindruck in allen denkbaren Disziplinen an, um den Konflikt zwischen steigendem Energiebedarf und knapper werdenden Ressourcen zu lösen. Dass aber auch jeder Einzelne gefragt ist, macht der letzte Teil der Ausstellung klar.

Mit intelligenter Haustechnik kann ich Heizung, Licht und Kaffeemaschine effizient programmieren. Nutze ich für meine Internetsuchanfragen die Suchmaschine Ecosia, unterstütze ich Umweltschutzprojekte, wie zum Beispiel eine Baumpflanzaktion. Zwei nützliche Tipps, wie auch ich meinen Beitrag leisten kann.

Energietypen

Skeptikerin oder Nerd? Die Besucher können sich für den passenden Energietyp entscheiden.

Bevor ich die Ausstellung mit vielen neuen Eindrücken verlasse, entdecke ich ein Gästebuch der besonderen Art. Über einem Bildschirm prangt die Frage „Wie cool bist du?“ und fordert mich auf, vor der integrierten Wärmebildkamera in Stellung zu gehen. Klick.

Nun soll ich auswählen, ob ich in Energiefragen Nerd, Skeptikerin, Netzwerkerin oder Individualist bin. Mmmh, gar nicht so einfach. Auswählen und zack. Schon erscheint mein Wärmebild auf dem Monitor. So verewigt man sich in einer energiegeladenen Schau ;-)

Mein Fazit: Die Schau ist nicht nur etwas für Ingenieure und Technikfreaks. Neben dem Forschungsalltag im Silicon Saxony geht es vor allem ums Verstehen: Warum verbrauchen wir immer mehr Energie? Was tun gegen knapper werdende Ressourcen? Was tragen Mathematik, Physik & Co. zur Lösung der Energiefragen bei? Eltern und Lehrern kann ich einen Rundgang durch COOL X mit Kindern ab 12 Jahren daher sehr empfehlen.

Schreiben Sie mir, wie Ihnen die Ausstellung gefällt. Was hat Sie überrascht und begeistert? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Veröffentlicht von Tina Rüssel am 23. Mai 2014 10:27 in Energie, Freizeit, Wissen

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare verfasst!

  • Name*

  • E-Mail*