Ausbildungsbeauftragte: Mentoren für unsere Azubis

  • Beitrag abonnieren
  • Beitrag empfehlen 2
  • 0
Tina Rüssel im Gespräch mit der Ausbildungsbeauftragten Kathrin Andrä

In meinem Gespräch mit Kathrin Andrä habe ich erfahren, welche Aufgaben unsere Azubis in der Rechtsabteilung erledigen.

Für mich klingt der Begriff „Ausbildungsbeauftragte“ nach Beamtendeutsch. Dahinter verbirgt sich jedoch ein wichtiges Ehrenamt, das in unserem Unternehmen rund 70 Mitarbeiter neben ihrer eigentlichen Arbeitsaufgabe ausüben.

Ausbildungsbeauftragte sind Bindeglied zwischen Ausbildern und dem Fachbereich, in dem sie selbst arbeiten. Das kann beispielweise der Einkauf, Vertrieb oder Netzservice sein.

Sie informieren die Ausbilder über wichtige Fertigkeiten, die die jungen Leute für ihre spätere Arbeit in unserem Unternehmen benötigen. Beispielsweise müssen sich unsere Elektroanlagenmonteure heutzutage auch mit Solaranlagen auskennen. Also haben die Ausbilder Lerneinheiten zu diesem Thema in den Ausbildungsplan eingebaut.

Kommt ein Azubi zu seinem mehrwöchigen Einsatz in eine Abteilung, ist der dortige Ausbildungsbeauftragte sein Mentor. Er stellt ihm die Kolleginnen und Kollegen vor und bezieht ihn ins Tagesgeschäft ein. Er gibt ihm Arbeitsaufgaben und nimmt ihn mit zu Besprechungen oder auf die Baustelle.

Jeder Auszubildende soll einen Einblick in die tägliche Arbeit erhalten und die Zusammenhänge innerhalb unseres Unternehmens verstehen. Am Ende ihrer Einsatzzeit erhalten die Schützlinge eine Beurteilung vom Ausbildungsbeauftragten.

Sie sollten ein Händchen für junge Leute mitbringen und Freude haben, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben. Manchmal muss der Mentor auch ein bisschen Mutti- oder Vati-Ersatz für die Jugendlichen sein. ;-) Das habe ich in den Gesprächen mit drei von ihnen erfahren.

Thomas Mitschke: Technik-Verständnis bei künftigen Kaufleuten wecken

Seit 1995 bin ich Ausbildungsbeauftragter, schon immer für kaufmännische Azubis. Das hängt auch damit zusammen, dass nur wenige kaufmännische Angestellte in unserem ENSO-NETZ-Regionalbereich in Heidenau arbeiten.

Die meisten der sechs oder sieben jungen Leute, die ich pro Jahr betreue, sind angehende Kaufleute für Büromanagement. Sie beschäftigen sich vorwiegend mit Rechnungswesen und der Software für Geschäftsanwendungen SAP.

Thomas Mitschke mit der Auszubildenen Nora Lehmann am Schreibtisch

Thomas Mitschke, Diplomingenieur für Elektrotechnik und Sachgebietsleiter Betriebsführung, mit der angehenden Kauffrau für Büromanagement Nora Lehmann.

Außerdem sind sie bei Projekten eingesetzt und begleiten unsere Monteure bei ihren Einsätzen. Wir wollen unseren Azubis ganz bewusst Einblick in technische Zusammenhänge ermöglichen. Sie finden es gut, auch das Mal zu sehen. Wo können sie das denn sonst noch?

So pflegen sie Statistiken oder arbeiten mit der Tabellenkalkulations-Software Excel. Tätigkeiten, wie Unterlagen ablegen und abheften, kommen auch vor, sind aber eher die Ausnahme.

Mitunter gibt es auch Sonderaufgaben. Bei Störungen im Netz übernehmen sie, wenn nötig, den Telefondienst. Auch beim Hochwasser haben einige unserer Azubis am Telefon gesessen und Kunden betreut.

Nach meinen Erfahrungen ist der Umstieg von der Schule in die Arbeitswelt oft schwierig. Zwischen dem ersten und dem letzten Ausbildungsjahr durchlaufen die meisten eine enorme Entwicklung.

Mir macht es viel Spaß, Schulabsolventen oder auch Schülerpraktikanten der 9. Klasse ans Arbeitsleben heranzuführen und sie mit den damit verbundenen Aufgaben vertraut zu machen. Nicht zuletzt könnten es ja zukünftige Mitarbeiter sein.

Mich freut es, wenn sie Vertrauen zu mir aufbauen und mich auch in ihre Probleme außerhalb des Arbeitsalltags einweihen.

Die meisten Azubis geben sich Mühe, sind sehr einsatzwillig und flexibel. Sie sollten während ihrer Ausbildung nicht nur auf der Schulbank sitzen. Nach der Zeit hier bei uns wissen sie besser, was ihnen liegt und was nicht.

Kathrin Andrä: Nachwuchs auf berufliche Zukunft vorbereiten

Ich habe selbst meine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation in unserem Unternehmen absolviert. Daher weiß ich wie wichtig es ist in den Fachabteilungen zuverlässige, kompetente und freundliche Ansprechpartner vorzufinden.

Ich überlegte nicht lange als man mich fragte, ob ich Ausbildungsbeauftrage werden möchte. Seit 2001 stehe ich unseren kaufmännischen Auszubildenden mit Rat und Tat in der Rechtsabteilung zur Seite. Dabei treffe ich auf die unterschiedlichsten Charaktere vom 1. bis zum 3. Lehrjahr.

Kathrin Andrä mit ihrer ehemaligen Auszubildenen Linda Schneider

Kathrin Andrä, Hauptsachbearbeiterin Unternehmensrecht, mit ihrer ehemaligen Auszubildenden Linda Schneider.

Mich freut es immer wieder zu sehen, dass die Azubis sich schon nach kurzer Zeit bei uns zurechtfinden und ihr erworbenes Wissen mit in die Berufsschule und andere Abteilungen nehmen.

Bei uns ist ihre Hauptaufgabe, Insolvenzverfahren unserer Kunden zu begleiten. Dabei erstellen sie unter anderem regelmäßig Statistiken. Des Weiteren bearbeiten sie Schadensfälle, zum Beispiel wenn ein Bagger bei Bauarbeiten das Stromnetz beschädigt. Die Auszubildenden kontrollieren dann den Eingang offener Forderungen.

Das Sekretariat bei Postein-/ausgang zu unterstützen, erfordert viel Sorgfalt. Denn es ist wichtig, dass die Schreiben fristgemäß beim Empfänger ankommen. Es kam auch schon vor, dass Azubis mit einem Kollegen, der als Zeuge geladen war, zum Gericht fuhren und sich eine Verhandlung anhören durften. Nicht zuletzt sortieren sie die neuesten Gesetzestexte ein. Es gibt immer viel zu tun!

Eine ganz neue Situation in meiner Laufbahn als Ausbildungsbeauftragte hat sich letztes Jahr aufgetan: Ich durfte eine Abschlussarbeit einer Auszubildenden betreuen. Mittlerweile ist sie als Bearbeiterin in der Rechtsabteilung eingestellt.

Georg Schwarzer: Zwischen Ausbildung und Arbeitswelt vermitteln

Vor zwei Jahren war ich selbst noch Azubi in unserem Unternehmen. 2015 konnte ich meine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik als Landesbester abschließen. Seitdem arbeite ich in der Abteilung „Informationskabelnetze Region“ in Kesseldorf. Unsere Aufgabe ist es, das Glasfaser-Kabelnetz in Ostsachsen auszubauen. Darüber können unsere Kunden Breitband-Internet empfangen.

Als meine Abteilung im vergangenen Jahr einen neuen Ausbildungsbeauftragten suchte, habe ich mich sofort gemeldet. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was junge Leute während ihrer Ausbildung beschäftigt und welche Herausforderungen sie bewältigen müssen. Als Ausbildungsbeauftragter kann ich sie dabei unterstützen und ihnen den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtern.

In unserer Abteilung lernen die technischen Azubis die Grundlagen des Fernmeldemonteurs. Sie montieren zum Beispiel Kupfer- und Glasfaserkabel, ziehen sie durch Leerrohre oder bereiten Schilder für die Kabel-Kennzeichnung vor.

Georg Schwarzer spleißt eine Muffe

Obermonteur Georg Schwarzer spleißt Fasern in einer Glasfasermuffe.

Manchmal können sie auch besondere Aufgaben erledigen. Vor kurzem haben Azubis zum Beispiel Kabel durch Fernwärmetunnel gezogen und Fasern gespleißt.

Mir ist es wichtig, dass die jungen Leute möglichst viele Tätigkeiten in unserer Abteilung kennenlernen und einen guten Eindruck von den Arbeitsaufgaben bekommen. Darauf achte ich beispielweise bei der täglichen Einsatzplanung zusammen mit unserem Meister. Im Gegenzug erwarte ich von ihnen Lernbereitschaft und Arbeitswillen – aber auch Einsicht, falls einmal Fehler passieren.

Mich beeindruckt immer wieder, mit welcher Geschwindigkeit unsere Azubis die verschiedenen Tätigkeiten erlernen. Oft können sie meine Kollegen und mich bereits nach kurzer Zeit tatkräftig unterstützen. Und wer weiß, vielleicht gehört der eine oder andere später einmal zu meinen Kollegen.

 

Im Herbst treffen sich Thomas Mitschke, Kathrin Andrä und Georg Schwarzer wieder mit den Ausbildungsbeauftragten der anderen Abteilungen zur jährlichen Weiterbildung. Die Frauen und Männer erfahren alles Neue über Inhalte, Gesetze und unternehmensinterne Vorgaben der Ausbildung. Ein Dauerbrenner ist dabei das Thema „Einheitliche, gerechte Beurteilung“. Jeder der Jugendlichen kennt damit seinen Leistungsstand und erfährt, was er verbessern kann um den Berufsabschluss erfolgreich zu meistern.

Die Kollegen tauschen sich über ihre Erfahrungen aus und werden gemeinsam eine Exkursion unternehmen. Letztes Jahr ging es zur Berufsgenossenschaft. Wir wünschen ihnen schon heute viel Spaß!

Veröffentlicht von Tina Rüssel am 11. April 2017 15:45 in Karriere

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare verfasst!

  • Name*

  • E-Mail*